Badisch Brauhaus Brauereigesellschaft mbHKarlsruheDEU

„Wunderlich!“ – Das war mein erster Gedanke, als ich am 7. September 2003 das Badisch Brauhaus in Karlsruhe betrat. Eine überdachte Galerie als Zentrum des Brauhauses. Blick auf seltsame Formen und Farben in der Architektur des zum Gebäude gehörenden Hotels. Eine Rutschbahn statt einer Treppe in den Bierkeller. Ein Fischteich. Sehr ungewöhnlich. Hier hat sich hinter der konservativen Fassade des Gebäudes jemand mit seinen architektonischen Ideen austoben können. Schade nur, dass insbesondere das Spiel mit Formen und Farben unter der schlechten Qualität des verwendeten Materials leidet – Risse, abblätternde Farben und ähnliches trübten zum Zeitpunkt meines Besuches den originellen Eindruck.

Das Bier ist lecker. Und darauf kommt es an. Neben den beiden Standard-Bieren „Hell“ und „Dunkel“ gibt es eine lange Liste von Saisonbieren – insofern lohnt es sich, hier immer mal wieder her zu kommen.

Nachtrag 4. Februar 2015: Fast zwölf Jahre sind seit meinem letzten Besuch vergangen, viele Details haben sich im Brauhaus geändert. Aber vieles ist auch geblieben: Die Rutschbahn über zwei Stockwerke hinweg in den Gewölbekeller existiert nach wie vor. Folgt man ihrem Weg, so steht man rasch vor dem auf Hochglanz polierten Drei-Geräte-Sudwerk. Sehr luxuriös, beeindruckend sieht es aus. Ohne auf Platzbeschränkungen Rücksicht nehmen zu müssen, machen sich die drei Kupfergeräte breit und verleihen dem Keller ein ganz besonderes Flair.

MiniaturVom Zwischengeschoss aus kann man direkt auf die Anlage sehen; lediglich im Erdgeschoss fehlt der beeindruckende Blick. Hier sieht man stattdessen durch eine dicke Glaswand die Gär- und Lagertanks. Etwas schmucklos, einfach in Edelstahl ausgeführt, und auch nicht Besonders auf Ansehnlichkeit getrimmt. Form follows function.

Der Gastbereich ist weitläufig, es gibt bestimmt mehrere hundert Sitzplätze in mehreren Räumen und dem Biergarten im Innenhof. Und obwohl es ein ganz normaler Mittwoch war, als ich hier eingekehrte, so war es doch voll.

Zwei Biersorten werden hier ständig angeboten, Helles und Dunkles. Daneben gibt es auch ein wechselndes Saisonbier, aber wie ich heute erfahren musste, leider nicht immer. Es blieb also bei den beiden Standardbieren. Das Dunkle ist leicht malzig, etwas dünner als erwartet, dadurch auch in größeren Mengen gut trinkbar, aber es bleibt unauffällig und charakterlos. Ein Jedermannsbier für den großen Durst, nicht für den bewussten Genuss. Das Helle hingegen ist spannender. Überraschend herb kommt es daher, hier wurde mit Hopfen sicherlich nicht gespart. Ein wenig Restsüße ist noch vorhanden, als ob es nicht lange genug gelagert hat, und ein wenig unharmonisch wirkt es dadurch. Trotzdem: Ein gutes Bier. Gerne mehr davon.

Die Küche ist grundsätzlich brauhaustypisch, man findet Gulaschsuppe genauso wie Flammkuchen oder Obatzten und natürlich die unvermeidlichen Fleischgerichte – alles serviert von schnellem und freundlichem Personal.

Ein nettes Brauhaus, mit einer unverändert netten, individuellen Innenarchitektur, aber nicht mehr ganz so wunderlich wirkend wie vor zwölf Jahren.

Nachtrag 6. März 2015: „Im Ausschank: Märzen!“ hieß es heute auf einer Kreidetafel am Eingang. Jetzt also wieder ein Saisonbier. Ein mittelbraunes, recht süffiges Bier, gut gelungen. Dazu ein deftiges Essen, angenehm.

Was auffiel: Die Bedienungen sind fleißig, freundlich, aber unorganisiert. Weite, und vor allem sich ständig kreuzenden Wege, offensichtlich keine klar abgegrenzten oder sinnvoll verteilten Verantwortungsbereiche. Man läuft und läuft und ist doch nicht so schnell, wie man gerne sein möchte. Fast wünschte man sich die altehrwürdige Funktion eines Oberkellners zurück, der souverän in der Mitte steht und sein Personal dirigiert. Könnte hier vielleicht wirklich etwas weniger Hetze und Entspannung für das Personal bedeuten

Das Badisch Brauhaus ist täglich ab 11:30 Uhr durchgehend geöffnet (sonntags schon ab 11:00 Uhr). Es liegt nur etwa 100 m nördlich des Europaplatzes, dem Beginn der Fußgängerzone. Hier halten nahezu alle Busse und Straßenbahnlinien, so dass eine Anreise mit den Öffis definitiv die beste Lösung ist. Parken geht allerdings auch, und zwar direkt unter dem Brauhaus. Für Vielparker gibt es mit einem 50-Stunden-Ticket für 50 EUR auch eine durchaus interessante Option – aber da muss man schon sehr oft kommen und dann jedes Mal aufgrund der Promillegrenze fast nichts trinken… Ob das nun wirklich die beste Alternative ist?

Bilder

Badisch Brauhaus Brauereigesellschaft mbH
Stephanienstraße 38-40
76 133 Karlsruhe
Baden Württemberg
Deutschland

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