Ottersheimer Bärenbräu – Matthias RüdeOttersheimDEU

„Sollte man nicht machen. Sollte man wirklich nicht machen…“, waren meine Gedanken, als ich langsam wieder aus dem Wohngebiet herausfuhr und auf die Hauptstraße bog.

„Mach‘ ich beim nächsten Mal wieder. Ist besser als nix!“, waren sie, als ich mich ein paar Kilometer weiter auf die vierspurige Schnellstraße einfädelte.

„Ja, was denn nun, soll ich es in Zukunft sein lassen, oder doch machen?“, dachte ich, als ich am Ziel auf den Parkplatz rollte.

„Vermutlich mach‘ ich es doch genau so wieder…“, beendete ich die Überlegungen, als ich mich an den Rechner setzte.

Worum geht’s? Um die immer mal wieder aufkommende Frage nach unvollständigen, ungeplanten, spontanen, schlecht vorbereiteten oder schief gegangenen Brauereibesuchen. So, wie am 24. April 2015.

Gar nichts hatte ich geplant gehabt, bis ich am frühen Abend beim Blick auf die Uhr feststellte, dass ich eigentlich viel zu früh dran bin. Rechts ran, auf den nächsten Parkplatz. Die Linksammlung im Explorer geöffnet, „Wo ist die nächste Brauerei?“ Cortana oder Siri helfen bei dieser Frage noch nicht wirklich viel, da landet man immer bei den großen Bierfabriken wie Warsteiner, Bitburger, oder so. Aber in meiner kleinen Linksammlung findet sich immer etwas. Heute das Ottersheimer Bärenbräu. Nur ein kleiner Umweg. Die A65 ist sowieso eine gute, oft staufreie Alternative, und von der Abfahrt Landau Zentrum ist es nicht weit. Auf also, nach Ottersheim.

Zu meiner Überraschung führt mich das Navi in ein Wohngebiet. Und bis wenige Meter vor der Brauerei weist, außer einem kleinen Wegweiser an der Kreuzung, nichts darauf hin, dass es hier Bier geben würde. Erst ganz am Schluss sieht man die Fahne an dem großen Wohnhaus und die Einfahrt mit den Bierbänken. Wie in einer Straußenwirtschaft bei einem der vielen Winzer hier in der Region sieht es aus. Die Einfahrt ist zum Biergarten umfunktioniert; die große Scheune hinter dem Haus beherbergt die Brauerei.

MiniaturSelbstbedienung ist angesagt. Man holt sich sein Bier drinnen in der Scheune; zu Essen gibt es etwas am Stand im Biergarten; Gläser und Geschirr bringt der Gast selbst zurück an die Spültheke. Tiefenentspannte Atmosphäre. Nicht allzu viele Gäste, leise Gespräche im Hof, Gelächter, Gläserklirren. Angenehm zum Entspannen.

Ein kleines Helles darf ich mir gönnen, mehr nicht, ich habe ja noch einige Kilometer vor mir. Das Glas steht vor mir; leicht hefetrüb, kremiger Schaum. Das obligatorische Foto vor dem ersten Schluck, und das rote Blinken der Akku-Warnleuchte. Der Telefonakku ist leer. Der Fotoapparat liegt daheim. Nun, für ein paar Bilder wird es hoffentlich noch reichen. Schnell mal den Biergarten noch, mit der Theke, und dann noch… Nein, das war’s. Ende der Fotodokumentation für heute. Schlecht vorbereitet!

Nun denn, der erste Schluck. Leider ein bisschen enttäuschend. Etwas kraftlos wirkt das Bier, ein wenig zu stark gespundet, zu scharf. Keine so schöne Kombination. Lecker ist es schon, aber doch nicht so richtig süffig. Es fehlt ein wenig die Vollmundigkeit, die Trinkbarkeit. Das Verlangen, am liebsten ein großes Glas in einem Zug herunterzustürzen, kommt nicht auf. Kritik auf hohem Niveau aber, denn Geschmacksfehler weist das Bier definitiv nicht auf. Also, wenn das Ottersheimer Bärenbräu in meiner Nachbarschaft läge, käme ich schon immer wieder hierher. So gut ist das Bier dann schon!

Neugierig spähe ich in die Scheune. Durch die große, etwas verschmutzte Scheibe sehe ich im Dunkeln zwei große Stahltanks. Ich frage die Bedienung, ob das alles sei, was man von der Brauerei sehen könne. „Nein, nein!“, heißt es, man könne schon eine Brauereibesichtigung machen. Mindestens fünf Personen, und sich vorher anmelden, dann bekäme man alles gezeigt. „Ich bin aber nicht fünf, sondern nur einer. Kann ich mich da vielleicht irgendwann mal einer anderen Gruppe anschließen, wenn ich kurz vorher anrufe?“ will ich noch wissen. Ratloses Achselzucken. „Am besten, Sie kommen, wenn hier der Kraut und Rüben Radweg Aktionstag ist, im Juni. Dann ist zu jeder vollen Stunde Brauereiführung!“ fällt ihr ein.

Schöne Idee! Aber vom Westerwald aus nach Ottersheim? Mit dem Fahrrad? Wird wohl nix.

Und auch heute wird’s wohl nix mit einem näheren Blick auf das Sudwerk.

Hätte aber sowieso wenig geholfen, der Akku ist ja leer, fällt mir wieder ein.

Schlecht vorbereitet. Völlig spontan. Kaum Bilder, nur ein Bier, kein Blick auf die Brauerei.

Ich fuhr langsam los und bog auf die Hauptstraße ein. „Sollte man nicht machen. Sollte man wirklich nicht machen…“, waren meine Gedanken…

Das Ottersheimer Bärenbräu liegt mitten im Wohngebiet in Ottersheim und ist in der schönen Jahreszeit, was hier in der Pfalz von März bis Oktober bedeutet, täglich von 11:00 bis 22:00 Uhr geöffnet. Kein Ruhetag. Es gibt Bier und eine recht große Auswahl an hausgemachten Speisen. Mit dem Auto kommt man problemlos hin und kann im Wohngebiet rechts und links der Straße parken. Mit dem Fahrrad ist es besser, speziell am Aktionstag, wenn sowieso alle großen Straßen für Autos gesperrt sind. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln scheint es nicht wirklich zu gehen. Alle Bahnlinien führen mindestens fünf Kilometer an Ottersheim vorbei.

Bilder

Ottersheimer Bärenbräu – Matthias Rüde
Waldstraße 35A
76 879 Ottersheim
Rheinland Pfalz
Deutschland

Die Kommentare sind geschlossen.