Buddelship Brauerei GmbHHamburgDEU

„Geniales Bier!“ – „Welches?“ – „Alle!“

„Die besten Etiketten überhaupt, echt klasse!“

„Da musst Du unbedingt hin!“

„Von den neuen Brauereien hier im Norden definitiv eine der besten!“

Die Kommentare, die ich in den letzten Wochen und Monaten über seine Buddelship Brauerei GmbH gehört habe, könnten nicht stärker kontrastieren mit dem ruhigen und bescheidenen Auftreten von Simon Siemsglüss. Geduldig und freundlich unterbricht er seine Arbeit am Flaschenfüller. „Na, hast Du hergefunden?“

Eine berechtigte Frage. Ein wenig versteckt liegt sie ja schon, die Buddelship Brauerei, in einer alten Halle, die vormals mal eine Fischverarbeitung beherbergt hat, und dort hinter einem der hintersten Hallentore. Typisch für Simon, dass kein großes Schild an der Straße steht, und auch das Firmenschild am Hallentor ist gerade mal etwas größer als ein Spickzettel. Selbstbeweihräucherung liegt ihm nicht.

MiniaturDie Biere sprechen halt für sich. Acht reguläre Biere entstehen hier auf einer 10-hl-Anlage als Standardbiere, vier davon rund um das Jahr, weitere vier als Saisonbiere. Und daneben entstehen immer mal wieder Sondersude, einmalige Spezialitäten. Wir stehen auf einer kleinen Leiter und schauen in den Gärbottich. „Das meiste mache ich mit offener Hauptgärung. Schau hier, die herrlichen Kräusen. Und der fruchtige Duft des Aromahopfens.“ Ich nehme eine Nase voll, dann gehen wir ein paar Schritte weiter. „Hier die Tanks für die obergärigen Biere, und hier im Kühlraum die für die Lagerbiere!“ Berge von Hopfen liegen neben den gekühlten Tanks, nur die feinsten Sorten!

„Tja, und hier drüben arbeitet meine Freundin Gabrielle“, lacht Simon und zeigt auf die Etikettiermaschine vom Typ Gabrielle 2. „Französische Produktion. In Deutschland hieße sie vielleicht EM 2000 oder so, aber die Franzosen sind Romantiker!“ Gabrielle. Rechts neben ihr der Flaschenabfüller. Namenlos. Mit zwei, drei Handgriffen ist er an unterschiedliche Flaschengrößen angepasst. „Eigentlich gibt’s bei mir ja immer nur die Standard-0,33-l-Flaschen, aber für Sondersude nehme ich auch mal andere Größen, wie beim Spider Monkey, da ist das ungemein praktisch.“

Spider Monkey? Ich nehme die große und dicke Flasche zur Hand. „Coffee IPA? Du meinst, ein helles, stark gehopftes Bier, und dann mit Kaffee?“ – „Genau! Klingt irgendwie paradox, helles Bier und Kaffeearoma und –geschmack, aber probier ruhig mal!“ Ich packe mir eine Flasche in meinen Rucksack. Blöd, dass wir direkt anschließend die Holzstiege hochklettern und uns das Malzlager und die Schrotmühle ansehen. Die Flasche klimpert und zieht nach unten, hätte ich ja auch hinterher einstecken können…

Von hier oben hat man einen schönen Blick in die ganze Halle. Ein bisschen durcheinander wirkt es für den Besucher, aber für Simon hat alles seine perfekte Ordnung. Er macht den gesamten Betrieb ganz allein und hat die Abläufe für sich persönlich optimiert.

„Es war schon immer mein Traum gewesen, eine eigene Brauerei zu haben!“ Nach Erfahrungen im Ausland, in China und in Großbritannien, hatte sich Simon entschlossen, sich selbständig zu machen. Die Halle in Stellingen war rasch gefunden, und nach und nach entstand hier die Brauerei, genau nach seinen Vorstellungen. Weissbier („Blanker Hans“), Rotbier („Roter Klinker“), Schwarzbier („Kohlentrimmer“) und Pilsener („Mitschnagger“) entstehen hier rund ums Jahr. Einprägsame Namen, toll designte Etiketten, hervorragender Geschmack. Die Saisonbiere sind das Belgian Saison („Brügge“), das IPA („Great Escape“), das Baltic Porter („Gotland 1394“) und das Pale Ale („The Steelyard“). Probiert habe ich sie in den letzten Monaten alle, auch wenn es nicht einfach war. Egal, ob beim kleinen Bierfest im Galopper des Jahres in Hamburg oder in der völlig überfüllten Markthalle Neun in Berlin beim Wurst & Bier Festival – die richtig guten Biere sind ruckzuck ausgetrunken, da muss man sich sputen. Und jedes der acht Biere war in der Tat richtig gut, jedes ein würdiger, hervorragender Vertreter seines jeweiligen Stils.

Ich komme ins Schwärmen und merke, wie es Simon schon fast unangenehm ist. Er wechselt schnell das Thema und zeigt mir die kleine Theke im Eingangsbereich zur Halle. Hier werden ab und an mal Verkostungen organisiert, hier kann man sich auch ein Bier zum Mitnehmen kaufen, so wie ich das gerade mit dem Spider Monkey gemacht habe, und hier werden sich Mitte Juli auch die Bierinteressierten im Rahmen der Hamburger Bierinseln treffen, durch die Brauerei stromern und die Biere verkosten.

Seit einem Jahr gibt es die Brauerei erst, oder genauer, seit einem Jahr sind die Biere auf dem Markt, die Brauerei selber steht schon ein wenig länger. Noch macht Simon alles ganz allein, with a little help from my friends, aber erste Pläne für eine festangestellte Hilfskraft gibt es wohl schon. Ein gutes Zeichen, der Betrieb läuft gut. Aber warum auch nicht, bei so leckeren Bieren?

Ich will nicht weiter stören – im Ein-Mann-Betrieb gibt es immer zu viel Arbeit und zu wenig Zeit. Aber man sieht sich. Auf einem der nächsten Bierfeste. In Hamburg, Berlin, München oder sonstwo!

Die Buddelship Brauerei liegt in Stellingen im Industriegebiet und ist mit dem Bus (Linien 183, 283 und M4, Haltestelle Langenfelder Damm) ganz gut zu erreichen. Man muss zwischen all den Hallen ein wenig suchen und sich gegebenenfalls durchfragen. Offizielle Öffnungszeiten und Rampenverkauf gibt es nicht; es empfiehlt sich eine vorherige telefonische Absprache. Oder ein Besuch am 11. Juli 2015, während der Hamburger Bierinseln.

Bilder

Buddelship Brauerei GmbH
Warnstedtstraße 16 L
22 525 Hamburg
Hamburg
Deutschland

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