Nürnberger Weizenbierglasmuseum & HausbrauereiNürnbergDEU

In gerade einmal zehn Minuten bringt mich die S-Bahn vom Nürnberger Hauptbahnhof in den Osten der Stadt, in das Wohngebiet Laufamholz. Und am Bahnsteig steht er schon, der Weltrekordhalter, Hausbrauer, Guinness-Buch-Eintrag-Besitzer und Bierglassammler Walter Geißler, und gemeinsam laufen wir vom Bahnhof ins Wohngebiet.

Hier, im Keller eines schönen und unauffälligen Einfamilienhauses, verbirgt sich das Nürnberger Weizenbierglasmuseum, eine weltweit einzigartige Sammlung von Weißbiergläsern. Über 5500 Stück hat Walter im Laufe der Jahre zusammengetragen, und täglich kommen noch neue dazu. 1986 hat er dafür einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde bekommen, und zahlreiche Zeitungsartikel und Einträge in Reiseführern und Prospekten zeugen von der Einmaligkeit dieses Museums.

All das wusste ich schon vorher, aber als wir die Kellertreppe hinunterstiefeln und Walter das Licht anschaltet, fällt mir die Kinnlade trotzdem runter. Der Kellerflur ist über und über mit wunderschönen Emailleschildern behängt – klassische Bierwerbung vom Feinsten. Daneben ein großes Regal mit Weißbiergläsern aus aller Welt, aus allen fünf Kontinenten. „Nein, nicht Weißbiergläser,“ korrigiert mich Walter lachend, „Weizenbiergläser!“ Und richtig, es sind mehr als nur Gläser für klassisches Weißbier, auch Gläser für Witbier, für Grodziskie / Grätzer und andere Bierstile finden hier ihren gebührenden Platz. Alle Gläser für Biere, die mit Weizen gebraut werden.

Aber nun geht es in das eigentliche Museum, denn eigentlich stehen wir ja bisher nur im Korridor herum. Die Tür öffnet sich und gibt den Blick frei auf die, na, sagen wir mal, Museumswerkstatt. Hier stehen ein paar Kartons mit noch nicht erfassten und katalogisierten Gläsern und Krügen; Prospekte, Zeitschriften und Bücher liegen herum. Und rund um den großen Tisch herum stehen Wandregale mit grünen und braunen Glasflaschen. Uralte Bierflaschen, mit Bügelverschluss und dem Namen der Brauerei als Relief im Glas. Relikte aus lang vergangenen Zeiten, von Brauereien, die keine eigenen Gläser hatten, oder bei denen die Flasche eine ganz besondere Bedeutung hatte. LEDs hinter den Flaschen illuminieren sie von hinten und beeindrucken!

Rechts dann der große Ausstellungsraum. Dicht an dicht stehen die hellen Holzregale, und nach Bundesländern sortiert drängen sich die Weizenbiergläser. Riesige Humpen, winzige Gläschen. Bunt bedruckte Gläser, schlicht gravierte, mit Glasrelief, mit oder ohne Deckel, mit oder ohne Henkel.

MiniaturIch habe keine Chance, alle Gläser im Einzelnen zu betrachten, ich schaue mal hierhin und mal dorthin, und gemeinsam gehen Walter und ich auf eine gedankliche Reise durch Raum und Zeit. Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit, betrachten Gläser von Brauereien, die heute niemand mehr kennt, oder sind fasziniert, wie sich das Glasdekor ein und derselben Brauerei im Laufe eines Jahrhunderts gewandelt hat.

Stunden könnten wir hier unten verbringen, Glas um Glas betrachten. Zu jedem einzelnen Stück, zu jeder Brauerei weiß Walter eine Geschichte zu erzählen, oft eine kurze, meistens aber eine lange.

Das Telefon klingelt. Walters Ehefrau. Oben auf der Terrasse warte die Brotzeit. Die Wurst würde langsam grau, das Brot hart, und das Bier sei schon lange warm…

Lachend besichtigen wir schnell noch Walters kleine, selbst konstruierte Brauerei. Etwa 70 l Weizenbier entstehen hier pro Sud, und die Palette geht vom einfachen Weizen über Weizenbock und -doppelbock bis hin zu Experimentalbieren.

Ein letzter Blick noch in den Bierkühlschrank, oder vielmehr ein schneller Griff. Ein paar kühle Flaschen nehmen wir mit nach oben, und noch lange sitzen wir bei Bier und Brotzeit, diskutieren die Brauereiszene Deutschlands und der Welt.

Das Nürnberger Weizenbierglasmuseum ist eine Privatsammlung und hat daher nur nach Absprache geöffnet (weizenglasmuseum.nbg@gmx.de oder +49 172 8227 525). Zu erreichen ist es mit der S-Bahn-Linie 1, Bahnhof Laufamholz, und dann fünf Minuten zu Fuß. Logischerweise kann man auch mit Auto oder Fahrrad bequem anreisen. Der Eintritt ist frei, aber natürlich freut sich Walter Geißler über mitgebrachte Weizenbiergläser oder ein besonderes Bier als Aufmerksamkeit und Dank.

Bilder

Nürnberger Weizenbierglasmuseum & Hausbrauerei
Schupfer Straße 39
90 482 Nürnberg
Bayern
Deutschland

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