Dunajský PivovarBratislavaSVK

„Nein, wir machen keine Kreuzfahrt auf der Aida,“ muss ich beschwichtigen, „Es tut mir leid, so groß ist die Überraschung jetzt doch nicht. Das hätten wir doch gemeinsam planen müssen, das geht nicht einfach mal so, spontan!“ Ein bisschen Enttäuschung ist meiner geliebten Ehefrau anzumerken, ob des Missverständnisses, und ich muss zugeben, vielleicht habe ich doch etwas mehrdeutig von einer Brauerei an Bord eines Schiffes gesprochen.

Also, keine Kreuzfahrt auf einem der neuen Aida-Schiffe mit gläserner Bordbrauerei, sondern nur ein schöner Ausflug nach Bratislava, auf das fest verankerte Restaurant-, Hotel- und eben auch Brauerei-Schiff Dunajský Pivovar.

MiniaturAm Südufer der Donau, im Stadtteil Petržalka, genau zwischen den beiden Brücken Stary Most und Most Slovenského Národného Povstania liegt die 2014 erst eröffnete Dunajský Pivovar. Ein kleiner Spaziergang durch den eisigen Wind, aber in schöner Nachmittagssonne führt uns am Wasser entlang bis zur Brauerei. Die Gangway lenkt uns direkt auf das mittlere Deck, und als wir die Eingangstür öffnen, stehen wir unmittelbar vor dem kleinen Sudwerk. Hier entsteht unser Bier, heißt es angeschrieben, und darunter sind die exakten Koordinaten der kleinen Brauerei angegeben.

Wir wenden uns nach links, und sehen hinter der kleinen Theke sechs silbrig glänzende Lagertanks, und auf beiden Seiten die Tische des Restaurantbereichs. Wir können es uns aussuchen – entweder im wärmenden Sonnenschein mit Blick auf das etwas langweilige Ufer, oder auf der Schattenseite, mit Blick auf die Altstadt. Noch etwas durchgefroren entscheiden wir uns für die warmen Sonnenstrahlen, und stellen fest, dass die Scheiben auf beiden Seiten des Schiffes so groß sind, dass wir trotzdem etwas von der Silhouette der Altstadt sehen können.

Na also, beste Aussichten. Lagertanks mit frischem Bier, direkt dahinter die Donauwellen, und dahinter das mittlerweile schon recht ansprechend renovierte Bratislava.

Ähnlich gut die Aussichten auf die Nachbartische. Das Essen sieht richtig lecker aus, und auch die frisch gefüllten Bierkrüge machen Appetit. Also, auf geht’s, wir machen uns über die Speisekarte her, beginnen, die slowakischen Gerichte Wort für Wort zu entziffern. Freundlich lächelnd schiebt uns der Ober eine zweisprachig deutsch-englische Karte zu: „I can see that you have trouble with our language!“ Na, prima, so geht es schon viel besser. Schade nur, dass ausschließlich die Speisen- und Getränkeliste übersetzt worden ist, die langen und interessanten Texte über die Brauerei und das Bier muss ich mir trotzdem Wort für Wort langsam erarbeiten.

Na, los, ein Helles zum Auftakt, und dazu als Vorspeise Haxenfleisch in Gelatine.

Hm, das Fleisch ist lecker. Prima gewürzt, ganz zart, und für eine Vorspeise eine gewaltige Portion. Aber ach, das Bier dazu ist leider enttäuschend. Nicht nur eine dezente, buttrige Note, wie sie hier in der Region bei hellen Bieren üblich und beliebt ist, sondern eine gewaltige, fettig wirkende Diacetylwolke hüllt das Bier ein, macht es leider nicht gerade zu einem erfrischenden Genuss. Oh, Mann, schade!

Aber wir hoffen auf den zweiten Gang und das zweite Bier. Meine Frau wählt eine gebackene Forelle, und ich eine Portion Rippchen in Malzextrakt. Dazu das dunkle Bier.

Erneut die gleiche Situation: Das Essen schmeckt hervorragend. Die Forelle wunderbar zart und aromatisch; die Rippchen süßlich und scharf; die eingelegten Paprika dazu ebenfalls süßlich-fruchtig und mit einer hinterhältigen, aromatischen Schärfe, die so richtig Bierdurst macht. Aber das Bier…

Das Bier…

Erneut eine viel zu intensive Diacetylnote, und dazu eine merkwürdige Malznote, die schon sehr an Färbebier erinnert. Keine Spur von frischen, röstigen Dunkelmalzaromen, sondern leider eine unattraktive Dumpfheit. Nicht ganz so schlecht wie das Helle, aber dennoch weit weg von einem guten Bier.

Ich möchte mich noch nicht geschlagen geben und erkundige mich beim Kellner nach den in der Speisekarte angepriesenen sonstigen Bieren, werde aber enttäuscht. Zur Zeit sei keine Saison, und damit das Bier nicht alt werde, würde man nur zwei Sorten vorhalten. Im Sommer gerne wieder, dann sei die Auswahl wieder größer!

Wirklich traurig bin ich nicht – allzu groß war die Hoffnung nicht, dass nun ausgerechnet eines der Spezialbiere so lecker sein würde, dass es den Eindruck noch einmal völlig ändern würde.

Insofern bleibt es bei unserem Fazit: Eine sehr originelle Lokation an Bord eines gemütlich eingerichteten, sehr ansprechenden Restaurantschiffs. Ausgezeichnetes Essen, ein sehr freundlicher Service, nicht zu teuer und mit einem schönen Blick auf die Donau. Aber das Bier taugt nichts – wegen dem braucht man nicht hierher zu kommen.

Eigentlich ja ein, so leid es mir tut, Armutszeugnis für eine Brauerei…

Die Dunajský Pivovar ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist sie zu Fuß über die Donaubrücken oder per Auto – Parkplätze gibt es mehr oder weniger direkt davor. Wer zu viel vom Bier getrunken hat, kann direkt an Bord übernachten; es komfortable und modern eingerichtete Hotelzimmer direkt auf dem Schiff.

Bilder

Dunajský Pivovar
Tyršovo Nábrežie
OT Petržalka
851 01 Bratislava
Slowakei

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