Starosloviensky PivovarBratislavaSVK

„Eine der am wenigsten bekannten Hauptstädte Europas…“, faselt der Dumont-Reiseführer in meiner Hand, während wir durch das Altstadtstraßengewirr Bratislavas laufen. Was für ein dummes Zeug. Da kämen mir andere Städte in den Sinn. Das montenegrinische Podgorica, vielleicht, oder gar Chișinău, die Hauptstadt Moldawiens – da ist nämlich nicht nur die Hauptstadt unbekannt, sondern die wenigsten Menschen wissen überhaupt, dass es das Land gibt, und würden es, wenn sie es denn kennen würden, irgendwo auf der Welt, aber mit Sicherheit nicht in Europa verorten.

Nein, unbekannt ist Bratislava eigentlich nicht – liegt es doch wunderbar, direkt an der Donau, zwischen Wien und Budapest.

Viel schlimmer ist, dass die Adresse der Starosloviensky Pivovar unbekannt zu sein scheint. Zumindest allen Menschen, die wir bisher gefragt haben. In der Altstadt liegt sie, am Nordrand, aber wo genau? Irgendwie habe ich den Punkt im Navi falsch gesetzt…

Nach noch zweimaligem Abbiegen und einer kleinen Schleife stehen wir aber doch endlich davor. Eine schmale Straße nur, die Vysoká, und außer der kleinen Brauerei gibt’s hier nichts Sehenswertes. Kein Wunder, dass jeder nur ratlos mit den Achseln zuckte.

Es ist bitterkalt, und trotzdem ist der kleine Biergarten in der ehemaligen Einfahrt des kleinen Gebäudes gemütlich hergerichtet und hell erleuchtet. Aber heute dient er wohl Reklamezwecken und soll eher zufällig vorbeikommende Passanten anlocken, als dass er größere Menschenmengen beherbergen wird. Und auch wir nehmen lieber den kleinen Eingang rechts davon und verziehen uns in die kuschelig warme Gaststube.

Noch sind kaum Gäste da, aber das wird sich in den nächsten Minuten rasch ändern. Die Einrichtung ist einfach, schlicht, aber nicht ungemütlich. Kein überladen wirkender Kitsch, keine barock-artig überladene Dekoration, sondern einfache Holzbänke. Hierher kommt man, um sich beim Bier zusammen zu setzen und miteinander Spaß zu haben. Zu reden, zu lachen, zu diskutieren.

MiniaturZum Beispiel darüber, welches Bier man zuerst trinken möchte. Eine grüne Schultafel listet die Optionen auf. Fünf Biere sehe ich auf den ersten Blick, muss mich aber rasch korrigieren. Vier Biere sind’s, und eine Zeile listet stattdessen Radler auf, die man sich mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen zapfen lassen kann. Also vier. Da ist dann die Diskussion recht einfach – vier Biere kann man schaffen, da geht es nicht um die Auswahl, sondern um die Reihenfolge.

Das Pressburg Tmavý geht zuerst an den Start – ein einfaches, unfiltriertes Dunkles mit 12°. Ein bisschen dünn schmeckt es, ein wenig nach Färbebier, wenig Röstaroma. Nicht wirklich schlecht, aber auch nichts Dolles. Ein Bier, um es so nebenbei zu trinken, ihm wenig Achtung zu schenken. Nur wenig besser das Pressburg Polotmavy, das Halbdunkle mit 11°. Etwas dünner noch, etwas für den schnellen Durst an heißen Sommertagen. Nicht ganz passend zum klirrenden Frost draußen.

Wir machen weiter mit dem IPA. 14° Stammwürze verspricht die Kreidetafel, das ist für ein IPA nicht wirklich viel. Naja, und bei der Hopfung wurde offensichtlich ebenso gespart wie an der Stammwürze. Dünn, nichtssagend, wässrig. Als Alltags-Helles mag das Bier durchgehen, aber als IPA hat es seinen Beruf verfehlt.

Lange Gesichter.

Es bleibt die Hoffnung auf das letzte noch nicht verkostete Bier, das Pressburg Smrek. Angepriesen ebenfalls als unfiltriertes Bier mit 11° Stammwürze. Aber was zum Teufel heißt Smrek? Ein kurzer Blick ins Smartphone – Fichte. Aha, ein Bier mit Fichtentrieben. Wir sind gespannt. Der erste Schluck – ja, man merkt einen Hauch von terpenartigen Aromen. Ganz dezent. Ein interessantes Bier, vielleicht ein bisschen zu zurückhaltend mit den Fichtentrieben versetzt, ein kleines bisschen mehr wäre recht gewesen. Aber immerhin – nach den doch eher enttäuschenden ersten drei Bieren ein kleiner Lichtblick.

Die freundliche, junge Kellnerin blickt uns erwartungsvoll mit ihren blaugrün leuchtenden Augen an: Ob wir wohl noch etwas mögen?

Nein, für heute ist es genug. Wir bringen es nicht übers Herz, ihr zu sagen, dass die Biere nicht so doll waren, loben stattdessen ihre Freundlichkeit und die Gemütlichkeit der kleinen Brauerei.

Was wir heute nicht zu sehen bekommen haben, war das kleine Sudwerk. Angeblich wird hier auf einer winzigen Anlage gebraut, aber konnte oder wollte die junge Dame uns nicht verstehen, als wir nach ihr gefragt haben? Wir wissen es nicht und trollen uns somit, ohne die eigentliche Brauerei gesehen zu haben…

Die Starosloviensky Pivovar ist täglich ab 15:00 Uhr durchgehend geöffnet; freitags, sonnabends und sonntags schon ab 14:00 Uhr. Sie ist eigentlich gar nicht so schwierig zu erreichen, von der Straßenbahnhaltestelle Vysoká / Obchodná sind es gerade mal zwei Minuten zu Fuß.

Bilder

Starosloviensky Pivovar
Vysoká 15
811 08 Bratislava
Slowakei

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