Rügener Insel Brauerei GmbHRambinDEU

Nagelneu. Das sieht man schon, wenn man auf den Hof fährt. Spätestens aber dann, wenn man den Verkostungsraum betritt und sich einmal umsieht: Die Rügener Insel Brauerei ist vor wenigen Monaten erst eröffnet und von Grund auf neu angelegt worden. Keine Grunderneuerung einer vorhandenen alten Brauerei, sondern komplett neu aufgesetzt.

Miniatur (1)Es ist schon eine Weile her, dass ich das letzte Mal auf Rügen war, und heute, am 23. März 2016, freue ich mich, dass die neue Schnellstraße fertig ist, die direkt von der Autobahn mitten auf die Insel führt. Von der Hochbrücke genieße ich die wunderbare Aussicht, und wenige Augenblicke später sehe sich sie auch schon vor mir: Die große Halle der Insel Brauerei, schwarz mit altgoldener Aufschrift und rötlichen Holztoren. Jeden Moment kommt die Ausfahrt, ich freue mich auf einen schönen Brauereibesuch, ein leckeres Bier, ein paar bierige Mitbringsel.

Aber, was ist das? Wo bleibt denn die Ausfahrt? Die Halle zieht an mir vorbei, die Straße führt unbeirrt weiter nach Norden. Keine Ausfahrt. Und während die Brauerei langsam im Rückspiegel verschwindet, denke ich, dass es vielleicht doch keine so gute Idee gewesen ist, die schöne neue Schnellstraße zu nehmen… Kilometer um Kilometer. Wo bleibt denn die verdammte Ausfahrt?

Unendlich lang ziehen sich die Minuten, gefühlt müsste ich den Nordrand der Insel jeden Moment erreicht haben… Ah, endlich, hier geht es von der Schnellstraße runter. Zweimal links, und langsam, jetzt auf der alten Hauptstraße, rolle ich wieder zurück in Richtung Süden. Und ja, da taucht sie erneut auf, die Halle, und diesmal komme ich auch zur Hofeinfahrt, rolle langsam auf dem knirschenden Kies aus. Rund zehn Kilometer Umweg liegen hinter mir.

Miniatur (2)Innerlich murrend stapfe ich zum Verkostungsraum, aber meine Laune bessert sich zusehends, je näher ich komme. Ich gehe durch die Glastür und bleibe erstmal staunend stehen. Rechts neben mir eine auf Hochglanz polierte Kupferdestille, links rustikale Holzkisten, die zu einem großen Regal zusammengestellt sind und hunderte von Bierflaschen präsentieren, jede einzelne schmuck in Papier eingewickelt. Dazwischen Holzfässer als Deko, und dahinter Holztische und -bänke, auf denen man es sich zum Biertrinken gemütlich machen kann.

Ein paar Schritte weiter in den Schankraum hinein die lange Theke, hinter der Theke, gelblich angestrahlt, das stählerne Sudwerk. Mächtig thront die Brauerei dort, blickt hinab auf ihre Besucher, die die Hälse recken, um Details erkennen zu können. „Geschickt präsentiert“, denke ich, und registriere, dass in die hintere Stirnwand des Raums kleine Schaufenster eingelassen sind, durch die der Besucher Schrotmühle, Malzlager, kleine Gärtanks und das Hopfenlager sehen kann. Alles sorgfältig beschriftet.

Miniatur (4)Ich gehe zur Theke und bestaune die lange Reihe der präsentierten Biere. Zwölf Sorten gibt es hier – ungewöhnliche und in Deutschland eher selten gebraute Biere. Der Barmann fragt mich, ob ich etwas probieren möchte, und ich entscheide mich für ein kleines Glas Übersee-Hopfen. „Ein sehr trockenes, sehr bitteres Bier, mit australischem Hopfen“, erklärt er mir, während er mir das Glas einschenkt und einen passenden Bierdeckel heraussucht. Zu jedem Bier gibt es einen passenden Deckel, der die wichtigsten Informationen über das Bier enthält.

Ich suche mir einen Platz und genieße mein Bier. In der Tat. Knochentrocken, knackig bitter. Ein schönes Bier, gefällt mir. Gut gelungen.

Aber die Brauerei interessiert mich dennoch. Ich mache einen langen Hals. „Geh‘ doch einfach rein und schau Dir die Brauerei genau an, hier ist die Tür“, fordert mich der Barmann auf. „Dann kannst Du durch die Glasscheibe hinten auch in die offenen Gärbottiche kucken, die in der Halle stehen!“

Miniatur (3)Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Jacke und Bierglas bleiben liegen, Fotoapparat kommt mit, und ich schaue mir das Sudwerk näher an. Es wird gerade gebraut. Durch die gläsernen Deckel kann ich in den Läuterbottich sehen, wie dort der Flüssigkeitsspiegel langsam sinkt. Daneben die Sudpfanne, ebenfalls mit einem gläsernen Deckel. Hier sammelt sich schon die klare Würze, Schaumbläschen schwimmen träge im Kreis.

„Das wird eines unserer Sauerbiere“, schreckt mich eine Stimme auf. Brauer Sebastian steht hinter mir. „Wir lassen die Würze nach dem Abkühlen ein, zwei Tage stehen und impfen sie mit Milchsäurebakterien, bevor es mit den nächsten Schritten des Brauprozesses weitergeht. Das blockiert uns natürlich das Sudwerk für eine Weile, insofern müssen wir diese Sauerbiere immer genau einplanen, in Phasen, wo wir Zeit haben und das Sudwerk nicht schon für das nächste Bier genutzt werden soll.“

Ich staune. So ein großer Aufwand! „Ja, Aufwand betreiben wir mit allen unseren Bieren. Das letzte, woran wir beim Brauen denken, ist Zeit und Rohstoffe, Arbeit und Personal zu sparen. Stattdessen konzentrieren wir uns darauf, wirklich jedes Detail des Brauprozesses so zu gestalten, dass es dem Bier guttut.“

„Im Resultat sind natürlich unsere Biere nicht ganz billig“, fügt er noch hinzu und wendet sich wieder seiner Arbeit zu, während ich zurück in den Schankraum gehe. „Naja, wenn dann alle Biere so gut schmecken wie das Überseehopfen, dann soll der Aufwand wohl gerechtfertigt sein“, denke ich.

Während mir der Barmann nun von jeder Sorte eine große Flasche zusammenstellt, sehe ich mich noch einmal um. Schön hier. Geschmackvoll eingerichtet, ansprechend. Direkt nebenan die Alte Pommernkate mit Fischräucherei, Bäckerei und Café, Abenteuerspielplatz und großem Biergarten. Ein Ausflugsziel für die ganze Familie. Prima!

Die Rügener Insel Brauerei GmbH ist täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr für Besucher geöffnet. Die Anfahrt ist, wenn man die alte Hauptstraße benutzt, völlig problemlos; Parkplätze gibt es direkt vor der Tür reichlich. Und auch mit der Bahn ist die Anreise einfach; der Bahnhof Rambin ist gerade mal hundertfünfzig Meter entfernt.

Nachtrag 30. März 2016: Ein paar nachdenkliche Bemerkungen nach der Verkostung der mitgenommenen Biere. Die elf verschiedenen Sorten (eine war gerade ausverkauft gewesen), die ich mitgenommen habe und die wir daheim in Ruhe verkostet haben, waren durch die Bank gute und solide Biere. Aber außer dem Überseehopfen vermochte keines mich so richtig zu begeistern. Bei allen Bieren hatten wir das Gefühl, dass es besser gewesen wäre, sie noch eine Weile, ein paar Wochen, Monate gar, stehen und reifen zu lassen. Waren nach der beeindruckenden Besichtigung meine Ansprüche nun zu hoch geworden? Alle Biere wiesen ein Haltbarkeitsdatum zwei Jahre nach Abfüllung auf; und die Abfüllung lag gerade mal ein paar Tage oder wenige Wochen zurück. Vielleicht sollte man beim Verkauf (oder auf der Flasche) darauf hinweisen, das Bier noch eine Weile kühl und dunkel stehen und nachreifen zu lassen?

Bilder

Rügener Insel Brauerei GmbH
Hauptstraße 2c
18 573 Rambin
Mecklenburg-Vorpommern
Deutschland

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