Brauhaus an der ThomaskircheLeipzigDEU

Eine kleine Abwechslung vom ewigen Einerlei der typisch-deutschen rustikalen Brauhausküche, stelle ich zufrieden fest. Nicht nur Schweinshaxen, Rippchen, Krustenbraten und gewaltige Schnitzel und Steaks, garniert mit Bergen von Pommes oder Bratkartoffeln. Nein, durchaus auch ganz interessante Gerichte moderner italienischer Küche. Jenseits von Pizza und Pasta. Leckere Fischgerichte, mit Kräutern gewürzte Fleischgerichte. Na, das ist doch mal was!

Ich sitze in Leipzig im Brauhaus an der Thomaskirche. Draußen scheint zwar die Sonne, aber es ist noch bitterkalt. Viel zu kalt für diese Jahreszeit, und die Betreiber des Brauhauses haben die Biergartenmöbel auch noch zusammengeklappt und mit Ketten gesichert. Außer den unverbesserlich vor sich hin frierenden Rauchern verkrümeln sich die – am Nachmittag noch recht wenigen – Gäste lieber ins gemütlich-warme Innere.

„Lazaretti u.a. GbR“ steht im Impressum des Betriebs, und „Geschäftsführer: Giuseppe Alvaro“ – das erklärt den Schwerpunkt auf der italienischen Küche. Na, ist doch prima. Ein gehobener Italiener mit eigener Brauerei. Wer sagt’s denn!

Der Schankraum sieht neu aus, man sieht ihm gar nicht an, dass es die Brauerei angeblich schon seit über 20 Jahren gibt. Gerade vor ein paar Wochen ist hier zwei Monate lang renoviert worden und erst Anfang März 2016 wieder geöffnet worden.

Links neben dem Eingang steht das Sudwerk, zwei kupfern glänzende und sorgfältig polierte Geräte, mit ein paar Dekorationsartikeln mit Bierbezug verschönert und – leider! – mit bunter Reklame verziert: „Trink bei Dir – unser Bier!“, reimt man holprig und verweist darauf, dass man das hier gebraute Bier auch in Siphons füllen lassen und mit heimnehmen kann. Tja, eigentlich ist das Standard in Gasthausbrauereien, das weiß man, und somit muss es nicht extra beworben werden. Und vor allem müssen die schönen Braukessel nicht mit dieser Reklame verhunzt werden. Grrr!

MiniaturAber nun sind wir schon mal beim Thema Bier, und ich äuge neugierig in die Speisekarte. Pils und Schwarzbier verspricht diese, und ein Aufsteller in der Ecke des Schankraums wirbt noch mit Weizenbier. Ach ja! Beim Essen also originell oder wenigstens ein bisschen von der Norm abweichend, beim Bier aber klassisch in die Langeweilefalle getappt. HellDunkelWeizen. Die drei Standardrezepte, die vermutlich beim Ausliefern der Brauerei als fotokopierte Zettel in den Maischebottich gelegt werden, auf dass der Brauer sie bei Erstinbetriebnahme findet: „Betriebsanleitung – die ersten Schritte. Drei bewährte Rezepte für den Anfänger, mit denen Sie Ihre Gäste beeindrucken.“ Oder nicht?

Ich bestelle mir das Pils und bin … positiv überrascht. Schön herb. Hier scheint der Brauer zwar nach dem Rezept auf dem hektographierten Zettel vorgegangen zu sein, am Ende aber noch eine Schippe Extra-Hopfen in die Pfanne geworfen zu haben. Kräftig und ausdrucksstark. Zwar hätte es gut und gerne noch ein wenig eiskalt lagern können, das Bier, um runder zu werden und die letzten Reste des Jungbiergeschmacks zu verlieren, aber dennoch: Das Standardbier einer Gasthausbrauerei so zu hopfen, dass es den Namen Pils auch verdient, ist leider nicht überall selbstverständlich.

Zum Essen, einer Fischplatte, bestelle ich mir lieber das Schwarzbier – je nach Fischsorte harmoniert die Hopfenbittere im Pilsener nicht mit dem Essen; Fischöle und Hopfenharze beißen sich oft. Und in der Tat, das Schwarzbier kommt deutlich milder und malziger daher als das Pils. Weicher, aber leider nur ganz leicht röstig. Stattdessen mit ausgeprägtem Geschmack nach Färbebier und Melanoidinmalz. Nee, das ist meine Sache nicht. Man kann so schöne Schwarzbiere brauen, schlank und elegant, oder kräftig-röstig, mit Kaffeee-, Kakao- oder Schokoladenaromen, man kann sie aber auch mastig und muffig-dumpf gestalten. Hier und heute leider tendenziell eher letzteres. Schade!

Als bekennender Weizenbier-Nicht-Möger schenke ich mir die dritte Biersorte, und nach einem kurzen Rundblick verlasse ich für heute das Lokal. Nett eingerichtet, sehr ansprechend, eine gute italienische Küche und ein recht ordentliches Pils. Ich bin nicht unzufrieden. Außer mit dem Schwarzbier.

Und mit mir selber…

Und meiner Unaufmerksamkeit…

Denn jetzt erst, beim Rausgehen, sehe ich den kleinen Hinweis an der Theke, dass es auch ein Bockbier gegeben hätte. Na, wer weiß, vielleicht wäre es genau das richtige Bier gewesen, den Eindruck für heute schön abzurunden. Ein kräftiges, malziges und bei dem kalten Aprilwetter auch leicht wärmendes Bockbier? Ach, zu spät, ich kehre nicht noch einmal um, setze mich nicht wieder hin. Für heute belasse ich es bei Pils und Schwarzbier. Schluss jetzt!

Das Brauhaus an der Thomaskirche ist täglich von 11:00 bis 24:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Die Straßenbahnhaltestelle Thomaskirche mit der Linie 9 ist nur 100 m entfernt, die Erreichbarkeit mit den Öffis also problemlos.

Bilder

Brauhaus an der Thomaskirche
Thomaskirchhof 3-5
04 109 Leipzig
Sachsen
Deutschland

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