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Tbilisi:
Eine kurze Geschichte von der vergeblichen Suche nach den Braukesseln (in drei Teilen).

Teil 2: Alani

„Du wirst es nicht glauben“, überfällt mich meine Ehefrau, noch bevor ich meine Konferenzunterlagen auf den Schreibtisch des Hotelzimmers legen kann. „Ich habe heute schon wieder eine Brauerei entdeckt! Los, dusch Dich, zieh Dir was Frisches an, und auf geht’s.“

Verkehrte Welt. Sonst bin ich es doch immer, der treibt, der neue Brauereien erkunden möchte, neue Bierbars, nicht genug bekommen kann und immer eine Liste von Adressen zur Hand hat, die dreimal länger ist, als in der gegebenen Zeit abgearbeitet werden kann.

Aber diesmal stellt sich alles anders dar. Meine Liste ist außerordentlich kurz, eigentlich ist sie sogar gar nicht so richtig existent, denn alle Tipps, die ich aus dem Internet und von befreundeten Bierliebhabern bekommen habe, litten unter ein und demselben Problem: den Straßennamen in Tbilisi. Nicht nur, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, die georgische Schrift ins Lateinische zu übertragen, und offensichtlich jeder Kartograph, sei es im Internet oder auf Papier, seine eigene Version davon nimmt, nein, es kommt noch erschwerend hinzu, dass Georgiens Stadtverwaltung die Straßennamen in jüngster Zeit mehrfach geändert hat und mittlerweile selbst die Einheimischen nicht mehr so recht wissen, welche Straße gerade wie heißt, und wie sie korrekt geschrieben wird. Und so führt dann die Eingabe einer Adresse mit vermeintlich zuverlässigen Angaben zu gar wunderlichen Resultaten bei Google Maps, Here oder anderen Kartenwerken. Die Pins scheinen völlig zufällig verteilt, jede Software bietet mir einen anderen Stadtteil.

Und so habe ich denn eine Liste mit nur einer Position und den guten Rat eines Freundes, einfach dem Taxifahrer den Namen dieses Restaurants zu nennen, und dann fände er da schon hin. Auch ohne Adressangabe.

Aber ich weiche vom Thema ab.

Zurück also zum Hier und Jetzt, in dem gerade meine Frau auf mich zu kommt und einen neuen Brauereinamen hat, Alani, und vor allem: Sie weiß, wo diese Brauerei ist.

Miniatur (1)Auf geht’s also, und eine halbe Stunde später stehen wir unweit der berühmten Schwefelbäder vor dem kleinen Eingang zur Brewery Alani.

Auf zwei Ebenen wird der Gast hier verwöhnt. Im Hochparterre, hinter dem Schild Brewery Alani, verbirgt sich ein rustikaler Schankraum mit einfachen Holztischen und Stühlen, und zahlreiche ausgestopfte Tiere hängen an der Wand und verleihen dem Raum seinen ganz eigenen Charme.

An der Seite gibt es eine Reihe von kleinen Nebenräumen, die durch Schwingtüren abgetrennt und einzeln nummeriert sind. Richtige Separées sind es nicht, dazu sind die Schwingtüren zu klein, aber man kann sich doch mit einer kleinen Gruppe in einer dieser Ecken verschanzen und dann der Bedienung sagen, so möge jetzt alle dreißig Minuten eine Runde Maßkrüge in den Raum Nummer 3 bringen, und zwar so lange, bis drinnen niemand mehr einen Laut von sich gibt. So jedenfalls scheinen es die vier Einheimischen angewiesen zu haben, die im Raum Nummer 3 unter gewaltigem Krakeelen ebenso gewaltige Mengen des Alani-Biers vertilgen.

Miniatur (3)Wir beschränken uns auf ein solides und kräftiges Essen, Khachapuri. Das ist ein mit Schafskäse gefüllter Pizzateig, den es in seiner ossetischen Version Khabizgini auch mit Kartoffeln gibt. Einfach, lecker und ungeheuer sättigend. Eine prima Grundlage für das Alani-Bier. Hellkupferfarben, recht niedrig gespundet, wenig Schaum. Aber süffig, Ein paar raue Hefearomen, ein ordentlicher Malzkörper und eine knackige Bittere. Vielleicht nicht wirklich harmonisch und weich, aber sehr gut trinkbar. So drei Halbe gehen da zum Khachapuri locker runter.

Miniatur (2)Die freundliche Bedienung spricht leider außer den Begriffen auf der Speisekarte kein Englisch. Mit ein paar Brocken Russisch versuche ich ihr zu entlocken, wo denn dieses Bier gebraut werden würde. Zunächst zeigt sie nur auf ein großes, aufrechtstehendes Holzfass hinter der Theke, aus dem das Bier gezapft wird. Ich schaue mir das Fass genauer an, darf dazu auch hinter die Theke, und mit Zeichensprache versuche ich ihr klarzumachen, dass das hier gezapfte Bier ja irgendwoher kommen muss.

Und der Groschen scheint zu fallen. Freudestrahlend erklärt sie mir, dass es hier, im Restaurant, in der Küche gebraut werde, in großen Töpfen. Einerseits kann ich das kaum glauben, dass das Bier im einfachsten Hausbrauverfahren so hergestellt wird, andererseits schmeckte es aber genau so, als habe man mit etwas Erfahrung und Routine in Mutters Einkochtopf gebraut.

Der Weg zur Küche bleibt mir verwehrt, und so muss ich, kann ich, soll ich der Geschichte erstmal Glauben schenken.

Wir werfen noch einen Blick in das Kellergeschoss mit seinem separaten Eingang. Restaurant Alani steht hier, und die Räumlichkeiten sind gemütlicher eingerichtet als oben. Kellergewölbe, Nebenräume, jeder Raum hat seinen eigenen Stil. Hier wird mehr Wert auf das Essen gelegt, hier werden Gelage mit mehrgängigen Menüs gefeiert, so wie die Georgier es lieben. Essen, bis man platzt. Und dazu auch hier, neben dem georgischen Wein und Brandy natürlich das Alani-Bier.

Auch wenn ich heute erneut keine Braukessel gesehen habe – einen Besuch war die Brewery Alani trotzdem wert. Kräftiges und leckeres Essen, ein süffiges und interessantes Bier, niedrige Preise und eine angenehme Atmosphäre. Schön!

Die Brewery Alani ist täglich ab dem späten Vormittag durchgehend geöffnet. Im Hochparterre es die einfache Bar, im Kellergeschoss das ansprechendere Restaurant. Zu erreichen ist das Lokal am günstigsten mit dem Bus, an der Haltestelle Abanotubani, die etwa 200 m entfernt liegt, halten sieben oder acht Buslinien. Preiswerte Taxis sind in Tbilisi aber auch immer eine Option.

Bilder

Alani
ალანი
1, Vakhtang Gorgasali Street
0108 Dzveli Tbilisi
Georgien

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