Rethymnian Brewery S.A.Ρεθυμνιακή Ζυθοποιία Α.Β.Ε.Ε.RethymnoGRC

Nicht immer kann man sich uneingeschränkt auf Tipps von Einheimischen vor Ort verlassen, stelle ich fest, als ich vor der Rethymnian Brewery stehe. Eine nette kleine Brauerei sei das, man könne dort das Bier auch direkt kaufen, und wenn man Glück habe, dann könne man die Brauerei sogar besichtigen, hieß es am Morgen im Hotel.

Das klingt vielversprechend, und da wir heute sowieso etwas Zeit und einen Mietwagen zur Verfügung haben, machen wir uns auf den Weg sechzig Kilometer nach Osten. Ein kurzer Anruf bei der Brauerei, ob es sie tatsächlich noch gibt, und ob sie tatsächlich geöffnet sei, bleibt zunächst ergebnislos, ich höre nur die griechische Stimme auf dem Anrufbeantworter.

Am späten Vormittag stehen wir dann vor der Brauerei. Bereits ab der Hauptstraße ist sie ausgeschildet: Ζυθοποιία / Brewery steht auf den Schildern mit dem roten Pfeil, und wir brauchen nur dem kleinen Feldweg etwa 100 m zu folgen.

Miniatur (1)Ein großes Gebäude steht vor uns, mit einem perfekt gepflegten Gärtchen davor und einer kleinen Sitzgruppe. Am Gebäude selbst der Schriftzug Ρεθυμνιακή Μπύρα, Rethymnian Beer. Und darüber: Brink’s. Sieht sehr einladend aus, ist aber leider nicht, denn am geschlossenen Einfahrtstor hängt ein großes Hinweisschild: „Brewery tours are currently unavailable. No direct selling.“

Frustriert lasse ich die Schultern hängen. Auch ein erneuter Versuch, anzurufen, schlägt fehl, wieder nur die griechische Stimme auf dem Anrufbeantworter. So viel also, leider, bezüglich der Tipps von Einheimischen. Kein Rethymnian Beer also, beziehungsweise kein Brink’s Bier, heute. Jedenfalls nicht hier, denn in den Bars in Chania bekommt man das Bier schon fast überall. Aber wenigstens war es eine schöne und abwechslungsreiche Fahrt hierher, entlang der blühenden Oleanderbüsche und mit immer wieder neuen Blicken auf den Strand und das Meer.

Miniatur (2)Die Anfänge der Rethymnian Brewery gehen zurück bis ins Jahr 2001, als die Brauerei errichtet wurde, und nach kleineren Anfangsschwierigkeiten sich so erfolgreich entwickelte, dass bereits 2006 ein neues Sudwerk errichtet wurde, das die Kapazität verzehnfachte.

Das Rethymnian Beer erfreute sich großer Beliebtheit – so großer, dass auch die örtlichen Behörden aufmerksam wurden und 2010 feststellten, dass das ja gar nicht ginge. Die griechischen Vorschriften würden eine Bierbezeichnung mit geographischem Bezug ja gar nicht erlauben, hieß es, der Name Rethymnian Beer, Ρεθυμνιακή Μπύρα sei also nicht legal, das Bier müsse umbenannt werden.

Dr. Bernd Brink, der deutsche Eigentümer der Brauerei, musste sich dieser Entscheidung der Behörden beugen, tat dies aber nicht ohne eine trotzige Reaktion. Die Bier wurden kurzerhand in Brink’s umbenannt, eine eingängige Bezeichnung, die sich schnell durchsetzte, aber auf dem Etikett steht nun an der Stelle, an der Ρεθυμνιακή stand, nun ein langer Strich. Statt Rethymnian Blonde, Ρεθυμνιακή Ξανθιά, liest man nun also –––––––––– Ξανθιά, übersetzt –––––––––– Blonde. Und Gleiches gilt natürlich auch für das Dunkle. Pfiffig, wie hier den Vorgaben der Behörden gefolgt, aber gleichzeitig ein Signal des Trotzes gesetzt wurde.

Die Rethymnian Brewery S.A. ist derzeit nicht zu besichtigen, es gibt auch keinen Werksverkauf. Zu erreichen ist die Brauerei problemlos mit dem Auto, man fährt vom Rethymno aus in Richtung Süden und etwa anderthalb Kilometer hinter der Ortschaft Armeni liegt sie auf der rechten Straßenseite, deutlich ausgeschildert.

Bilder

Rethymnian Brewery S.A.
Ρεθυμνιακή Ζυθοποιία Α.Β.Ε.Ε.
12th km Rethymno-Spili
74100 Rethymno
Griechenland

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