Štiřínský PivovarŠtiřínCZE

„Ach ja, Velké Popovice, Groß Popowitz, kennt man ja… Bier, das man unter dem Namen Kozel auch in allen gut sortierten Getränkemärkten in Deutschland bekommt.“ Gedanklich winke ich ab und will die interaktive Landkarte schon schließen, als mein Blick auf einen kleinen Pin nur Millimeter links davon fällt.

Ich zoome heran: Štiřínský Pivovar. Sagt mir gar nichts. Štiřín ist ein winziges Dörfchen, und ein altes Schloss soll es da geben. Aber eine Brauerei? Das ist mir neu. Und so ist es denn selbstverständlich, dass ich am 20. Januar 2017 einen kleinen Abstecher von der Autobahn mache und hier vorbeischaue.

Restaurant und Brauerei
Eingang

Es ist bitterkalt, und der Schnee knirscht unter den Reifen, als wir auf den kleinen Parkplatz fahren. Štiřínská Stodola, die Stiriner Scheune, steht groß an der Stirnwand des Gebäudes, und darunter „Restaurace, Pivovar, Hotel, Gril“. Alles Wörter, die auch ohne Tschechisch-Kenntnisse verständlich sind. Nix wie hinein, also.

Uns empfängt ein bunt und recht künstlerisch geschmückter Gastraum. Bilder mit moderner Kunst, teils recht abstrakt, hängen an den Wänden, die Farben sind fröhlich ohne zu grell zu wirken, und ein Kunstschmied hat viele Stunden Arbeit in die Dekoration des Raums gesteckt. Nett schaut’s aus.

Rechter Hand die Theke, liebevoll, aber fast ein wenig überladen mit leeren 5-l-Partyfässchen dekoriert, und gegenüber das Sudwerk. Ich bin überrascht: Winzig klein sind die beiden kupfernen Geräte, eng beieinander stehen sie, in eine Art Theke integriert. Dahinter nur wenig Platz für den Brauer – übergewichtig darf er wohl nicht sein, wenn er sich dort bewegen können möchte. Vor, neben und zwischen den beiden Kesseln eine Menge Deko, und auf einem Bord dahinter eine Sammlung von leeren Bierflaschen. Urig schaut’s aus.

die Gaststube

Wir suchen uns einen Tisch direkt an der Heizung – draußen hat es -11° C, wir wollen es kuschelig warm haben. Die junge Kellnerin kommt an den Tisch und legt uns ohne viel Worte die einfache Speisekarte hin. Ein paar preiswerte Hauptgerichte, und vier Sorten Bier. Etwas Deftiges zu Essen ist schnell ausgewählt, und dazu hätte ich gerne das etwas kräftigere Vierzehner Bier, ein, so der Name auf der Karte, Sankt-Martins-Bier.

Nun, Sankt Martin ist schon eine Weile her, und richtig: Die Bedienung zuckt bedauernd die Schultern. Ausgerechnet dieses Bier gebe es nicht mehr. Nun denn, dann halt das nächstschwächere, das Dreizehner. Ale Fantasia nennt es sich, und ich bin gespannt, was sich dahinter verbirgt.

Sehr hell und fast klar kommt es auf den Tisch, nur ganz leicht opak. Sieht lecker aus, riecht auch appetitlich. Leichte Esternoten, glaube ich zu spüren. Im Mund dann aber eher enttäuschend. Ein kartonartiger Geschmack breitet sich aus, so, als sei das Bier kräftig oxidiert. Ich bin ein wenig enttäuscht. Trinkbar ist es, aber kein großer Genuss.

das Sudwerk

Die Gnocchi mit Spinat und gebratener Hühnerbrust machen da schon ein wenig mehr Freude – eine sehr ordentliche und leckere Portion, die mir für wenig mehr als drei Euro serviert wird. Dazu trinke ich jetzt das einfache helle Lager, das Světlý Ležák 12°. Ein simples Trinkbier, unauffällig und ohne Geschmacksfehler. Nichts Besonderes, aber in Ordnung.

Gewissermaßen als Dessert dann noch das Dunkle, das Tmavý Speciál 13°. Hier bin ich wieder eher enttäuscht. Wässrig-süßlich, mit einem merkwürdigen Beigeschmack, und für ein Dreizehner viel zu dünn wirkend. Kann man trinken, muss man aber nicht. Würde ich mir definitiv kein zweites Mal bestellen.

Tja, insgesamt sind wir also ein bisschen unzufrieden. Es ist ganz nett, wenn man hier vorbeikommt und Hunger hat – das Essen ist solide und sehr preiswert. Auch die Atmosphäre ist angenehm, und die Lage ist wunderschön – im Frühjahr ist es hier bestimmt paradiesisch. Aber die Biere sind weniger als nur Durchschnittsware, leider. Keines dabei, wo wir uns gewünscht hätten, noch eine Flasche für den gemütlichen Genuss daheim mitzunehmen.

Der 2010 gegündete Štiřínská Stodola mit seiner Štiřínský Pivovar ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Neben dem selbstgebrauten Bier wird einfache, aber leckere Küche geboten. Ab und an finden Weinverkostungen statt, und eigene Appartements zum Übernachten werden ebenfalls angeboten. Zu erreichen ist die Brauerei in sieben, acht Minuten von der Autobahn, Parkplätze gibt es direkt vor der Tür, oder man nimmt die Buslinie 461.

Bilder

Štiřínský Pivovar
Želivecká 707
251 68 Štiřín
Tschechien

Merken

Die Kommentare sind geschlossen.