Pivovar Velké Popovice „Kozel“Velké PopoviceCZE

„… und jetzt werden wir zu einem japanischen Konzern gehören. Ob und wie es mit uns weiter geht, das ist ungewiss!“ Die Dame, die uns fast anderthalb Stunden lang fachkundig durch die Brauerei und das Museum geführt hat, gut bedauernd, und es sieht aus, als befürchte sie das Schlimmste.

Die 1874 von Franz Ringhoffer eröffnete Pivovar Velké Popovice, Brauerei Großpopovitz, besser bekannt unter ihrem Markennamen Kozel, wuchs relativ rasch, überlebte zwei Weltkriege und den Sozialismus. 1992 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, später dann mit den Brauereien Radegast und Pilsener Urquell fusioniert. Seit 2002 gehören die fusionierten Brauereien zu South African Breweries (SAB), die wiederum mit Miller zu SABMiller fusionierten. In 2016 betrieb der Weltmarktführer ABInBev die Übernahme von SABMiller, wollte sich aber auf Druck der Kartellbehörden im Zuge der Übernahme vom SABMiller-Europageschäft trennen – eine Gelegenheit, die der japanische Bierkonzern Asahi ergriff. Hundertvierzig Jahre tschechischer Brautradition kommen nun also in japanische Hand. Kein Wunder, dass sich das Personal hier vor Ort als Spielball im Ringen um Marktanteile fühlt.

Doch genug der Investmentspielchen, zurück zum hier und heute:

das Eingangstor zur Brauerei

Wir stehen im Besucherzentrum der Brauerei Kozel. Ein kleiner Souvenirshop mit Gläsern, Krügen und sonstigen Andenken, gerne auch eine komplette Ausstattung mit Lederschürze, Hose, Schlappen und Mütze. Was immer der Markenfanatiker sich wünschen mag. Ein kurzer Blick nur, der Gedanke an die übervollen Regale daheim und an den nächsten Umzug, und tapfer passieren wir die Kasse, ohne etwas zu kaufen außer der Karte für die anschließende Brauereiführung.

Und da geht es auch schon los. Pani Edita nimmt unsere kleine Gruppe unter ihre Fittiche und führt uns zunächst ins alte Sudhaus, das die Ausstellung der Geschichte der Brauerei beherbergt. Beginnend mit dem Kupferschmied Ringhoffer, der die Idee zur Brauereigründung hatte, über die ersten Erfolge, die Fährnisse in den beiden Weltkriegen und die stetige Modernisierung. Selbst die Zeit, in der der Schriftzug am Eingang der Brauerei in sozialistischem Rot leuchtete und vom fünfzackigen Sowjetstern gekrönt war, hat die Brauerei gut überstanden.

Ein uralter Kupferbottich und ein nicht ganz so alter, aber dennoch schon veralteter Stahlbottich stehen hier im alten Sudhaus einträchtig nebeneinander, legen Zeugnis davon ab, wie schnell sich die Brauereitechnik weiterentwickelt. Das neue Sudhaus steht nur wenige Meter weiter, und auch wenn es auf den ersten Blick altmodisch wirkt – unter den Kupferhauben verbirgt sich moderne und effiziente Technik.

das Sudhaus – moderner, als es aussieht

Ohne jede nostalgische Verblendung: Die gewaltigen zylindrokonischen Gärtanks. Wie eine Raketenbatterie stehen sie in der riesigen Halle, zum Abschuss bereit. Keine Brauereiromantik mehr, nur Effizienz und Edelstahl. Im Keller unter der Halle noch ein paar Reminiszenzen an früher. Eine alte Fassfüllanlage, und daneben eine schön gearbeitete Theke, die von einem Geißbock, einem Kozel, geziert wird. Wir bekommen die Gelegenheit, die Kozelbiere zu verkosten – und wie es bei Brauereibesichtigungen immer so ist: Das perfekt gepflegte Bier, direkt aus dem Tank und unmittelbar nach der Fassabfüllung, schmeckt am besten, und so überzeugen sowohl das Dunkel, das Černý 13°, als auch das Obergärige, das Ale 11°, rundum. Leicht röstig und mit einer angenehmen Restsüße das Dunkle, und fruchtig-komplex, fast schon belgisch wirkend, das Ale.

Ein kurzer Blick in die Abfüllerei darf natürlich nicht fehlen, wenn sie auch heute, an einem Sonntag, nicht in Betrieb ist und daher nur halb so beeindruckend wirkt wie erwartet.

Bevor es schließlich wieder in Richtung Ausgang geht, müssen wir noch den Ziegenbock Olda besuchen. Der Bock, das Symbol der Brauerei von Anfang an, ist seit vielen Jahren auch das lebende Maskottchen. Mittlerweile ist es schon der siebte Ziegenbock, der hier in seinem kleinen Stall lebt – wie alle seine Vorgänger heißt er Olda, benannt nach dem Pfleger Oldřich Lenc, der für den allerersten Ziegenbock verantwortlich war.

Nachdem alle Besucher ihn haben kraulen dürfen (und nun entsprechend stinkende Finger haben…), stehen wir wieder im Besucherzentrum und lauschen den niedergeschlagenen Worten Editas über die ungewisse Zukunft der Brauerei. Interessant war es, und ein großes Lob an Edita, die die Führung nicht nur routiniert abspulte, sondern mit Herz und Begeisterung dabei war und auf wirklich alle Fragen eine Antwort geben konnte.

die alte Fassfüllerei

Was liegt näher, als die Brauereibesichtigung nun mit einem guten Essen und einem letzten Bier im Brauereirestaurant Velkopopovická Kozlovna abzuschließen?

Aber ach, was für eine Enttäuschung. Zwar ist es gemütlich eingerichtet und auf den ersten Blick sehr einladend, aber wie soll man sich hier wohl fühlen, wenn alle Kellner und Kellnerinnen, das gesamte Personal missmutig herumläuft, die Gäste kurz angebunden und muffelig bedient, und wenn dann auch noch eines der beiden bestellten Essen wenig appetitlich auf den Teller geknallt wird und die – für hiesige Verhältnisse durchaus teure – Portion nicht reicht, um satt zu werden? Nein, das ist kein schöner Abschluss für einen ansonsten sehr angenehmen Brauereibesuch. Das haben wir an anderer Stelle schon viel besser, gastfreundlicher und schmackhafter erlebt. Und der Gipfel ist, dass das angebotene und kräftig beworbene Sonderbier Rubinový Ležák gar nicht aus der eigenen Kozel-Brauerei kommt, sondern aus der Gambrinus-Brauerei. Zwar aus dem gleichen Brauereiverbund, aber dennoch: Im brauereieigenen Restaurant hätten wir ein wenig mehr Stolz auf die eigenen Produkte erwartet. Nicht schön!

Das Besucherzentrum mit Souvenirverkauf der Pivovar Velké Popovice ist täglich von 10:00 bis 16:00 Uhr, im Sommer bis 18:00 Uhr, geöffnet. Führungen finden im Winter (Oktober bis März) sonnabends und sonntags um 13:00 Uhr statt, im Sommer (April bis September) täglich um 13:00 und um 15:00 Uhr. Das direkt am Brauereieingang gelegene Brauereirestaurant Velkopopovická Kozlovna ist täglich ab 10:30 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist die Brauerei am besten mit dem Auto, es sind zehn Minuten von der Autobahn D1. Parkplätze gibt es gebührenfrei direkt am Eingang. Alternativ bieten sich die Buslinien 363 und 461 an.

Bilder

Pivovar Velké Popovice „Kozel“
Ringhofferova 1
251 69 Velké Popovice
Tschechien

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Rodinný Pivovar Svatý FloriánLoketCZE

„Immer nur von einer Brauerei zur nächsten zu reisen – wird das denn nicht irgendwann langweilig?“ – Manchmal, wenn ich diese Frage gestellt bekomme (und natürlich für mich sofort verneine), denke ich nach, was wohl meine holde Ehefrau dazu sagen würde.

Aber, wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass diesbezügliche Bedenken völlig unangebracht sind, dann war es unser Ausflug nach Loket.

Loket? Nie gehört.

Eben. Aber mein schlaues Telefon zeigte mir in einer interaktiven Landkarte, dass es dort eine Brauerei gebe. Und so kam es, dass das Bier uns einmal wieder eine Perle, ein touristisches Kleinod bescherte. Und zwar abseits vom Bier.

Loket, auf Deutsch Elbogen, ist ein wunderhübsches historisches Städtchen, nicht weit von Karlsbad entfernt. Seine gerade mal 3000 Einwohner siedeln unterhalb der Burg auf einem Granitrücken, der von dem kleinen Flüsschen Eger fast komplett umströmt wird. Der enge Bogen dieses Flüsschens hat der Stadt ihren Namen gegeben – Loket heißt auch auf Tschechisch Ellbogen. Und niemals, wenn es denn hier nicht eine Brauerei gäbe, hätten wir dieses sehenswerte Städtchen besucht.

Also: Bierreisen sind langweilig? Nein, im Gegenteil. Sie zeigen uns Orte, die wir ohne das Bier niemals angefahren wären.

Jetzt aber genug von der Stadt, wir stehen mittlerweile vor der Brauerei, der Rodinný Pivovar Svatý Florián. Beziehungsweise vor dem großen Hotel Císař Ferdinand. Prächtig und eindrucksvoll steht es vor uns, wirkt einladend, und hätten wir nicht schon eine Reservierung ein paar Kilometer weiter, würden wir sofort hier übernachten wollen. Aber mehr noch als die Fassade des Hotels interessiert uns die Aufschrift Pivovar.

winterliches Brauerei-Idyll

Rechts neben dem Hotel geht es in die Einfahrt. Wir stapfen durch den Schnee; große Holzfässer weisen uns den Weg. Am Ende des Gebäudes geht eine kleine Treppe in den Keller, die Pivnice. Unter dem Ziegelgewölbe kauert sich links eine kleine Theke in den Winkel, vor uns ein halbes Dutzend Biertische, und am Ende des Kellerraums ein kupfernes Sudwerk. Recht groß, fast schon ein wenig überdimensioniert für den niedrigen Kellerraum, aber schön anzusehen.

das Sudwerk

Rechts neben dem Sudwerk geht es noch einmal ein paar Stufen tiefer, und wir kommen in einen zweiten Kellerraum, der ebenfalls als Schankraum, aber auch als kleines Museum der Geschichte der Brauerei dient. Eine kleine, historische Theke steht als Ausstellungsstück in der Ecke, eine Puppe als Schankkellner zapft ein frisches Bier. Die Zeit ist stehengeblieben, reglos steht sie da, das Glas wird und wird nicht voll, der Schaum wird niemals zerfallen.

In die Wände dieses kleinen Raums sind Glasvitrinen eingelassen mit einer schönen Sammlung historischer Bierflaschen, mit alten Utensilien und zahlreichen Dokumenten aus dem vergangenen Jahrhundert. Ich wandere von Vitrine zu Vitrine und begebe mich auf eine Zeitreise, die mich viele Jahrzehnte zurückführt, bin mit den Gedanken in einer völlig anderen Ära. Bis mir irgendwann meine holde Ehefrau auf die Schulter tippt. „Möchtest Du denn auch etwas trinken, oder reicht es Dir, hier im Saal herumzustehen?“

Ich werfe einen raschen Blick in die Bierkarte – vier Sorten werden angeboten. Neben „normalem“ Hellem und Dunklem gibt es ein Rauchbier und ein Rubin. Die Entscheidung fällt also leicht. Ich tippe auf das Rauchbier, das Tmavý Uzený Speciál 13°, und der Kellner nickt anerkennend. „Unser Bestes!“, sagt er und eilt davon.

In der Tat. Das Bier ist wirklich sehr gut. Das Raucharoma ist präsent, ohne aufdringlich zu wirken. Weder hat es unangenehm torfige noch verkohlt-verschwelte Aromen, sondern erinnert eher an ein frisch angefachtes Holzfeuer. Dazu ein kräftiger Malzkörper und eine schöne mittelbraune Farbe. Ein gutes Bier, und sicherlich auch für den Rauchbier-Anfänger geeignet, um ihn sachte an diese Aromenwelt heranzuführen.

Blick in die Geschichte der Brauerei

Das zweite Bier, das Rubínový Speciál 15°, steht dem Rauchbier qualitativ nicht nach. Kräftig malzig, mit leichten, aber nicht zu intensiven Melanoidin-Noten. Würzig und vollmundig, ein wenig wärmend und sättigend. Genau das richtige Bier für einen frostigen Winterabend so wie heute.

Durch die Glasscheibe, die den unteren Kellerraum nach hinten abschließt, betrachten wir noch die Lagertanks. Sauber aufgereiht, dicht an dicht, stehen sie dort. Schlichte, stählerne Eleganz.

Gerne hätten wir jetzt noch den beworbenen Souvenirshop besucht und vielleicht einen schönen Krug oder ein anderes Andenken gekauft, doch leider ist er heute Abend bereits um sieben Uhr geschlossen worden. Der einzige ärgerliche Moment heute. Zumindest können wir uns aber an der Theke eine Ein-Liter-PET-Flasche füllen lassen und nehmen noch das Světlý Ležák 11° mit, um es später im Hotel gemeinsam trinken zu können.

Die Rodinný Pivovar Svatý Florián befindet sich im Keller des Hotels Císař Ferdinand mitten in Lokets historischer Altstadt. Sie ist täglich von 11:30 bis 22:00 Uhr geöffnet; kein Ruhetag. Es werden vier verschiedenen Biersorten angeboten; dazu gibt es solide und qualitative regionale und internationale Küche. Zu erreichen ist die Brauerei bequem mit dem Auto, es gibt aber nur sehr wenige Parkplätze in der Altstadt. Wenn man außerhalb parken und über die Eger laufen muss, dann kann man auch gleich mit dem Zug kommen – der Bahnhof ist etwa fünfhundert Meter Fußweg von der Brauerei entfernt.

Bilder

Rodinný Pivovar Svatý Florián
T. G. Masaryka 136
357 33 Loket
Tschechien

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Velkorybnický HastrmanVelký RybníkCZE

Irgendwo am Ende der Welt. Ein winziger Weiler namens Velký Rybník. Gefühlt vielleicht 200 Einwohner? Am Rande des Orts ein großer Teich, der heute, am 21. Januar 2017, natürlich zugefroren ist. Schon seit Wochen liegen die Temperaturen nachts unter -10°, die ganze Welt scheint eingefroren, alles geht nur noch in Zeitlupe.

Und mitten im Dörfchen ein hellgelb gestrichenes Haus, ein heller Farbtupfer im winterlichen Grau: Domácí Pivovárek – Velkorybnický Hastrman – U Hastrmana steht an die Fassade geschrieben. Die Kleine Hausbrauerei Zum Wassermann.

die Gaststube

Auf den ersten Blick ein einfaches Wohnhaus mit einem großen Wintergarten. Auf den zweiten Blick, und nachdem wir eingetreten sind, auch. Wintergarten und Erdgeschoss des Hauses sind in Eigenarbeit in ein kleines, gemütliches Restaurant umgebaut worden. Kein Innenarchitekt, auch keine Firma, die teure Materialien verwendet haben, sondern einfaches, helles Holz und Deko-Artikel, die sich über die Jahre angesammelt haben. In der Ecke ein Kamin, in dem zwei gewaltige Holzscheite lichterloh brennen und den ganzen Raum mit kuscheliger Wärme füllen.

Wir suchen uns ein Plätzchen nicht zu weit weg vom Kamin, möchten nach langem Spaziergang in der eisigen Luft langsam wieder auftauen. Überall an den Wänden hängen einfache Bilderrahmen mit Bieretiketten – eine tolle Sammlung. Erst nach einem kurzen Moment fällt uns auf, dass es keine Sammlung von Etiketten aus der ganzen Welt ist, auch wenn sie so bunt und abwechslungsreich ist. Nein, es sind samt und sonders Etiketten der hier gebrauten Biere.

Mit viel Liebe scheint der Brauer zu jedem Sud, den er ansetzt, ein neues Etikett zu kreieren, jedem Bier einen neuen Namen zu geben, jedes Mal ein neues Rezept auszuprobieren. Wir sind gespannt, welche Sorten es derzeit gibt, und nehmen die Getränkekarte zur Hand. Unsere Augen werden groß und rund. Mindestens sieben oder acht verschiedene Biere gibt es hier, und zwar nicht nur Helles mit unterschiedlicher Stammwürze von 10° bis 13°, wie man es hier in Tschechien so oft antrifft, sondern wirklich verschiedene Biere. Helles, Dunkles, Weizen, Halbdunkles, Winterbier, Kellerbier, India Pale Ale… Gerne auch als Radler mit Agaven-Limonade.

Nicht nur, dass jedes Bier sein eigenes Etikett hat, nein, zu jedem Bier gibt es auch eine eigene DIN-A-4-Seite in der Getränkekarte. Schön laminiert, mit detaillierten Beschreibungen, netten Grafiken, und es ist es Freude, in dem kleinen Ringordner Seite um Seite umzublättern und neugierig das Angebot zu erkunden.

Brauerei Zum Wassermann

Wir hören ein dezentes Räuspern. Die Wirtin steht neben uns. Ganz alleine bewirtschaftet sie das kleine Restaurant heute Nachmittag, und sie hat keine Zeit, ewig neben uns zu stehen und zu warten, bis wir die ganze Karte von vorne bis hinten und wieder zurück studiert haben. Also, ein schneller Entschluss: Ich nehme das Winterbier. Und für meine holde Ehefrau, die heute einmal wieder am Steuer sitzen muss, einen Früchtetee.

Das Winterbier, oder Zimní Speciál, wie es richtig heißt, entpuppt sich als kräftiges Märzen. 5,5 % Alkohol, leicht bräunliche Farbe, aromatisch-malzig, mit leichten Melanoidin-Noten. Durchaus lecker.

Im Internet suchen wir ein wenig mehr Informationen über die kleine Brauerei, quälen uns aber durch die einzeln hereintropfenden Bits und Bytes. Eigentlich gibt es fast überall in Tschechien ein gutes LTE-Netz, aber hier, in Velký Rybník, am Ende der Welt, starre ich nur auf einen einzigen, winzigen GSM-Balken. Aber immerhin, ein paar Daten bekommen ich zusammen:

Seit 2005 braut Luboš Vorel hier auf einer winzigen Anlage. Zunächst als Hausbrauer, und nachdem sein Bier den Nachbarn und der Familie gut geschmeckt hat, arbeitete er sich durch die Mühlen der Bürokratie, um nun seit September 2006 seine Sude unter der Marke Velkorybnický Hastrman zu verkaufen. Und ein Hastrman, ein Wassermann, ziert auch alle Etiketten. Die Karikatur zeigt ein kleines Männchen mit Glubschaugen, algenartigen Haaren, einer Wasserschnecke im Haar, grün angezogen und rittlings, aber rückwärts auf einem Wels sitzend.

Neben den üblichen Standard-Bieren gab es in den vergangenen zehn Jahren Biere mit allen möglichen und unmöglichen Zutaten und nach immer neuen Rezepturen. Offensichtlich geht es Luboš Vorel aber nicht nur um das Experimentieren um des Experimentierens willen, denn die Produkte sind samt und sonders gut trinkbar, wovon eine Reihe Urkunden und Auszeichnungen an den Wänden des kleinen Restaurants zeugen.

IPA Šifra Enigma

Wenigstens ein zweites Bier möchte ich noch probieren, bevor es wieder weitergehen muss, und ich entscheide mich für ein India Pale Ale, das IPA Šifra Enigma, gebraut mit australischem Hopfen. Schöne Zitrusaromen betören die Nase, auf der Zunge spürt man eher harzige Noten, wenn auch die Zitrusfrüchte nicht völlig verschwinden, und im Abgang kommt dann eine knackige, sehr saubere Bittere zum Vorschein. Ein richtig gutes Bier!

Gerade als wir zahlen wollen, fällt – zum Glück noch rechtzeitig! – mein Blick auf den kleinen Kühlschrank neben der Theke: Alle Sorten gibt es auch in 1-Liter-PET-Flaschen zum Mitnehmen. Im Nu ist der Rucksack prall gefüllt, schwer stapfe ich durch den tiefen Schnee zurück zum Auto.

In kurzer Blick noch einmal auf das hellgelbe Häuschen. Urig und nett. Schade nur, dass ich das Sudwerk nicht habe sehen können – mit ehrlichem Bedauern erklärte mir die Wirtin, dass sie keine Erlaubnis habe, Besucher in die Brauerei zu lassen. Das hätten wir vorher mit dem Brauer direkt ausmachen müssen…

Die Domácí Pivovárek Velký Rybník ist täglich ab 14:00 Uhr bis zum recht frühen Abend (20:00 Uhr) geöffnet; sonnabends und sonntags schon ab 12:00 Uhr. Kein Ruhetag. Zu erreichen ist sie am besten mit dem Auto; man kann direkt vor der Tür parken. Es gibt zwar auch eine Buslinie (Karlsbad – Abertham), die hier entlangführt, aber „allzu oft fahren die Busse leider nicht“, sagt Luboš Vorel auf seiner Homepage.

Bilder

Velkorybnický Hastrman
Domácí Pivovárek Velký Rybník
Velký Rybník 9
363 01 Ostrov
Tschechien

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Pivovar Karel IV.Karlovy VaryCZE

Becherovka – der berühmte Kräuterschnaps aus Karlsbad. Wo immer man in der Stadt einkehrt, die erste Frage lautet stets: „Möchten Sie sich ein wenig aufwärmen? Ein Becherovka gefällig?“ Und auch wenn die Schnapsproduktion nach dem alten Rezept des Apothekers Jan Becher mittlerweile unter dem Dach des Pernod-Ricard-Konzerns erfolgt, sind die Karlsbader nach wie vor stolz auf IHREN Becherovka.

So stolz, dass am unteren Ende der Fußgängerzone, dort, wo der Schnaps früher hergestellt worden ist und wo sich nun immerhin noch die Verwaltung der Firma befindet, mit dem Becherplatz ein touristisches Zentrum rund um den Becherovka entstanden ist: Ein überdachter Marktplatz mit kleinen, etwas kitschig auf alt getrimmten Souvenirlädchen, Cafes, Probierstuben und …

… einer Brauerei im Keller!

Pivovar Karel IV.

Der Zugang zur Pivovar Karel IV. ist ganz unauffällig. Eine unscheinbare Holztreppe führt vom Haupteingang des Becherplatzes in die Tiefe, aber kaum sind wir die Stufen hinuntergelaufen, finden wir uns in einem Labyrinth schier endloser Gänge wieder. Links und rechts finden sich kleine Nischen mit Tischen, an denen man in kleinen Gruppen ungestört sitzen und genießen kann. Teilweise sind die Nischen etwas größer, finden sich auch richtige Nebenräume, und aus einigen hat man durch eine Glaswand auch direkten Blick auf die Gär- und Lagertanks der Brauerei.

Wir laufen einen der Gänge bis zum Ende, kehren um, laufen zurück und stehen dann in der großen, zentralen Gaststube. Weit geschwungene Gewölbe aus dicken Sandsteinblöcken, verhältnismäßig niedrig, aber durch die Weite nicht bedrückend. Und mittendrin die kleine kupferne Brauerei. Ein holzverkleidetes Mäuerchen und ein kunstfertig geschmiedetes Gitter verwehren den Zutritt, gewähren aber einen schönen Blick auf die beiden polierten Kessel. Davor ein paar Schälchen mit verschiedenen Malzsorten als Dekoration und eine Anrichte mit Geschirr, Besteck und Gewürzen.

Gaststube und Sudwerk

Stimmengewirr erfüllt den Schankraum, es ist verhältnismäßig viel Betrieb. Unter einem der Gewölbebögen finden wir ein gemütliches Plätzchen, bewacht von freundlichen jungen Damen mit großen Biergläsern in der Hand, die als Wandmalerei auf uns herabschauen.

Schon kommt der Kellner herangewuselt, und auf meine auf Tschechisch gestotterte Frage, was für Biere es denn gebe, rattert er in fließendem Deutsch die fünf Sorten herunter: Elfgrädiges Helles, zwölfgrädiges Halbdunkles, zwölfgrädiges Weizen, dreizehngrädiges Dunkles und fünfzehngrädiges Spezial. Und dann gebe es noch Kräuter- und Früchtebier.

Ich beginne mit dem Halbdunklem, dem Polotmavý 12°. Malzig, rund, süffig. Ein bisschen Restsüße, nur dezent gehopft, sehr mild. Während ich Schluck für Schluck genieße, blättern wir in der dicken Speisekarte. Viele internationale Gerichte, viel typisch tschechische Brauhauskost. Die Auswahl ist gewaltig, die Portionen, wie wir an den Nachbartischen sehen, ebenfalls.

Und auch die Preise. Man merkt, dass Karlsbad vom Tourismus verdorben ist. Die Preise sind gut doppelt so hoch wie auf dem Land und erreichen ganz normales deutsches Niveau.

Zum großen Lammspieß mit grünen Bohnen, Bratkartoffeln und Speck, einem typisch tschechischen Diätteller also, trinke ich zunächst das Světlý 11°, ein frisches und leichtes, mit einem dezenten Hauch Diacetyl grüßendes Pilsener. Spürbar hopfig harmoniert es hervorragend mit dem kräftig-würzigen Lammfleisch. Ebenso wie das nächste Glas, das Pšenične 12°, das für ein Weizen hervorragend daherkommt. Leichte Gewürznelken-Aromen, spritzig, erfrischend.

gemütliche Nischen unter dicken Gewölben

Statt eines Desserts bestelle ich mir das Tmavý 13°, ein süßliches Dunkelbier. Der klassische, tschechische Stil, ähnlich wie man es auch in Prag im U Fleků bekommt. Enorm süffig, ganz leichte Röstaromen nur, schwach gehopft und malzig-süß. So ganz anders als die herben und schlanken deutschen Schwarzbiere.

Vier leckere Biere hintereinander, ohne jede Enttäuschung. Viel Glück gehört dazu, eine solche Serie serviert zu bekommen, und fast traue ich mich nicht, auch noch das Speciál 15° zu bestellen, aus Angst, die Serie könnte zu Ende sein.

Und in der Tat: Sie ist zu Ende. Aber im positiven Sinne! Das Speciál 15° entpuppt sich als fruchtiges, aromatisches Ale im belgischen Stil. Nicht übermäßig gehopft, rund und malzig, und obendrüber ein komplexer Strauß unterschiedlichster fruchtiger und estriger Aromen. Für ein belgisches Dubbel vielleicht nicht herb genug, für ein Golden Ale zu dunkel. Irgendwo dazwischen findet sich dieses Bier wieder und stellt den hervorragenden Abschluss meiner Verkostung dar. Chapeau! Der Braumeister hier, der Sládek, kann was und weiß, was er tut.

Um ehrlich zu sein: Diese Bierqualität hätte ich in einer so durchkommerzialisierten Gasthausbrauerei nicht erwartet. Prima! Und so kommt es, wie es kommen muss: Oben im Souvenirshop erstehen wir noch eine große Anderthalbliterflasche des leckeren belgischen Ales, des Speciál 15°.

Die 2012 eröfnete Pivovar Karel IV. ist täglich ab 11:00 Uhr durchgängig geöffnet; kein Ruhetag. Parken kann man gebührenpflichtig bis maximal drei Stunden Dauer direkt vor der Tür; es empfiehlt sich aber, mit Bus oder Bahn zu kommen. Bahnhof und Busbahnhof sind nur etwa 150 m entfernt.

Bilder

Pivovar Karel IV.
T. G. Masaryka 282/57
360 01 Karlovy Vary
Tschechien

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Štiřínský PivovarŠtiřínCZE

„Ach ja, Velké Popovice, Groß Popowitz, kennt man ja… Bier, das man unter dem Namen Kozel auch in allen gut sortierten Getränkemärkten in Deutschland bekommt.“ Gedanklich winke ich ab und will die interaktive Landkarte schon schließen, als mein Blick auf einen kleinen Pin nur Millimeter links davon fällt.

Ich zoome heran: Štiřínský Pivovar. Sagt mir gar nichts. Štiřín ist ein winziges Dörfchen, und ein altes Schloss soll es da geben. Aber eine Brauerei? Das ist mir neu. Und so ist es denn selbstverständlich, dass ich am 20. Januar 2017 einen kleinen Abstecher von der Autobahn mache und hier vorbeischaue.

Restaurant und Brauerei
Eingang

Es ist bitterkalt, und der Schnee knirscht unter den Reifen, als wir auf den kleinen Parkplatz fahren. Štiřínská Stodola, die Stiriner Scheune, steht groß an der Stirnwand des Gebäudes, und darunter „Restaurace, Pivovar, Hotel, Gril“. Alles Wörter, die auch ohne Tschechisch-Kenntnisse verständlich sind. Nix wie hinein, also.

Uns empfängt ein bunt und recht künstlerisch geschmückter Gastraum. Bilder mit moderner Kunst, teils recht abstrakt, hängen an den Wänden, die Farben sind fröhlich ohne zu grell zu wirken, und ein Kunstschmied hat viele Stunden Arbeit in die Dekoration des Raums gesteckt. Nett schaut’s aus.

Rechter Hand die Theke, liebevoll, aber fast ein wenig überladen mit leeren 5-l-Partyfässchen dekoriert, und gegenüber das Sudwerk. Ich bin überrascht: Winzig klein sind die beiden kupfernen Geräte, eng beieinander stehen sie, in eine Art Theke integriert. Dahinter nur wenig Platz für den Brauer – übergewichtig darf er wohl nicht sein, wenn er sich dort bewegen können möchte. Vor, neben und zwischen den beiden Kesseln eine Menge Deko, und auf einem Bord dahinter eine Sammlung von leeren Bierflaschen. Urig schaut’s aus.

die Gaststube

Wir suchen uns einen Tisch direkt an der Heizung – draußen hat es -11° C, wir wollen es kuschelig warm haben. Die junge Kellnerin kommt an den Tisch und legt uns ohne viel Worte die einfache Speisekarte hin. Ein paar preiswerte Hauptgerichte, und vier Sorten Bier. Etwas Deftiges zu Essen ist schnell ausgewählt, und dazu hätte ich gerne das etwas kräftigere Vierzehner Bier, ein, so der Name auf der Karte, Sankt-Martins-Bier.

Nun, Sankt Martin ist schon eine Weile her, und richtig: Die Bedienung zuckt bedauernd die Schultern. Ausgerechnet dieses Bier gebe es nicht mehr. Nun denn, dann halt das nächstschwächere, das Dreizehner. Ale Fantasia nennt es sich, und ich bin gespannt, was sich dahinter verbirgt.

Sehr hell und fast klar kommt es auf den Tisch, nur ganz leicht opak. Sieht lecker aus, riecht auch appetitlich. Leichte Esternoten, glaube ich zu spüren. Im Mund dann aber eher enttäuschend. Ein kartonartiger Geschmack breitet sich aus, so, als sei das Bier kräftig oxidiert. Ich bin ein wenig enttäuscht. Trinkbar ist es, aber kein großer Genuss.

das Sudwerk

Die Gnocchi mit Spinat und gebratener Hühnerbrust machen da schon ein wenig mehr Freude – eine sehr ordentliche und leckere Portion, die mir für wenig mehr als drei Euro serviert wird. Dazu trinke ich jetzt das einfache helle Lager, das Světlý Ležák 12°. Ein simples Trinkbier, unauffällig und ohne Geschmacksfehler. Nichts Besonderes, aber in Ordnung.

Gewissermaßen als Dessert dann noch das Dunkle, das Tmavý Speciál 13°. Hier bin ich wieder eher enttäuscht. Wässrig-süßlich, mit einem merkwürdigen Beigeschmack, und für ein Dreizehner viel zu dünn wirkend. Kann man trinken, muss man aber nicht. Würde ich mir definitiv kein zweites Mal bestellen.

Tja, insgesamt sind wir also ein bisschen unzufrieden. Es ist ganz nett, wenn man hier vorbeikommt und Hunger hat – das Essen ist solide und sehr preiswert. Auch die Atmosphäre ist angenehm, und die Lage ist wunderschön – im Frühjahr ist es hier bestimmt paradiesisch. Aber die Biere sind weniger als nur Durchschnittsware, leider. Keines dabei, wo wir uns gewünscht hätten, noch eine Flasche für den gemütlichen Genuss daheim mitzunehmen.

Der 2010 gegündete Štiřínská Stodola mit seiner Štiřínský Pivovar ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Neben dem selbstgebrauten Bier wird einfache, aber leckere Küche geboten. Ab und an finden Weinverkostungen statt, und eigene Appartements zum Übernachten werden ebenfalls angeboten. Zu erreichen ist die Brauerei in sieben, acht Minuten von der Autobahn, Parkplätze gibt es direkt vor der Tür, oder man nimmt die Buslinie 461.

Bilder

Štiřínský Pivovar
Želivecká 707
251 68 Štiřín
Tschechien

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