Minipivovar JižanPřerovCZE

Jižní čtvrť III/11 – was wie ein hundertprozentig sicheres Passwort für Computernerds aussieht, ist in Wirklichkeit eine Adressangabe. Fluchend tippe ich Buchstabe für Buchstabe einzeln in das Navi ein.

Ich mag mein derzeitiges Gastland wirklich sehr. Seine Menschen, seine Landschaft, seine Küche und vor allem seine Brauereien. Aber nicht seine Sprache. Ganze Worte, ja, im konstruierten Fall sogar ganze Sätze ohne jeden Vokal. Und die Konsonanten dann auch noch mit diakritischen Zeiten traktiert.

Jižní čtvrť, das Südviertel. Was es heißt, das weiß ich. Wie man es schreibt, das kann ich mir Buchstabe für Buchstabe erarbeiten. Wie man es ausspricht, werde ich wohl nie lernen. Die Zahl 4 ist mir nicht geheuer. Vier = čtyři, Viertel = čtvrť, der vierte Tag der Woche = čtvrtek, der Vierer = čtyřka. Beim Versuch, auch nur die Hälfte dieser Wörter korrekt auszusprechen, sabbere ich die Windschutzscheibe von innen voll und ernte missbilligende Blicke meiner holden Ehefrau.

Tja, es ist mittlerweile bereits so weit, dass ich keine Termine mehr an Donnerstagen (ve čtvrtek) mehr annehme, und dass ich sogar an Tankstellen die Säulen 4 (čtyři) und 14 (čtrnáct) und Beträge, die auf 40 (čtyřicet) Kronen enden, geradezu zwanghaft vermeide, um an der Kasse nicht in Schwierigkeiten zu kommen. Ja, selbst mit dem Finger (prst) auf etwas zu zeigen, beispielsweise auf einen Weihnachtsbaum (smrk), ist ja schon unmöglich.

Wie gut, dass wenigstens das Wort Bier, pivo, einfach und leicht auszusprechen ist. Solange ich derer nur drei oder fünf bestelle. Aber nicht vier.

Südviertel, also. Und zwar das Südviertel der Stadt Přerov. Wir sind mittlerweile dort angekommen, das Sinnieren über die Konsonanten in der tschechischen Sprache hat mich von der Fahrt abgelenkt – wir biegen auf den Parkplatz vor das Hotel Na Jižní, „Im Süden“. Seit dem 12. Mai 2016 hat es hier im Bierkeller eine kleine Brauerei, die Minipivovar Jižan, und es ist höchste Zeit, dass wir sie einmal im Rahmen eines kleinen Ausflugs erkunden.

das Restaurant

Bitterkalt ist es, und wir huschen rasch in das Hotel, tasten uns mit dick beschlagenen Brillengläsern in das Restaurant vor. Eine gemütliche Einrichtung wartet auf uns. Eine alte Ritterrüstung in der Ecke, an den Wänden alte Schilde, Helme und Waffen. Alles ist sorgfältig durchnummeriert und beschriftet, fast kommen wir uns vor wie in einem Museum.

Wir suchen uns einen schönen Platz an der Heizung, und blitzschnell sausen zwei junge Kellnerinnen auf uns zu, kommen aus verschiedenen Richtungen angeflitzt, und leise kichernd koordinieren sie sich, wer uns denn jetzt bedienen darf oder soll.

die Bierkarte

Wir blättern durch die Speisekarte, finden aber keine Hinweise auf die angebotenen Biere. Lachend deutet das Mädel auf den Halter für die Bierdeckel. Ein kleiner, per Hand ausgeschnittener Aufkleber listet die hier erhältlichen Biere auf. Eine etwas ungewöhnliche Bierkarte. Fünf Sorten werden angeboten (zum Glück nicht vier…), und alle beginnen mit „G“: Garant 11°, Gróf 12°, Gurmán 11°, Guvernér 12° und Grál 14°.

Wir bestellen uns ein Gróf und ein Guvernér, ein helles Zwölfer also und ein halbdunkles Zwölfer. Dazu leckeres und deftiges Essen, wie halt in Tschechien üblich. Es ist nicht das richtige Land für Diäten, gesunde Kost oder für Vegetarier…

Essen und Bier werden recht rasch serviert, und wir sind hin- und hergerissen. Einerseits das Essen. Große Portionen und gute Qualität. Wirklich lecker. Könnte vielleicht noch einen Hauch ansprechender angerichtet werden, das Auge isst schließlich mit, aber ansonsten ohne Fehl und Tadel. Und das Ganze zu einem fairen Preis. Hier sind wir sehr zufrieden.

Das genaue Gegenteil leider: Das Bier. Optisch ansprechend, mit einer schönen und stabilen Schaumkrone gezapft, wie es einem Graf (Gróf) und einem Gouverneur (Guvernér) zusteht, aber geschmacklich nicht überzeugend. Eine dumpfe Grundnote begleitet beide Biere – so, als ob der Brauer uraltes oder etwas feucht-muffig gelagertes Malz genommen hätte. Ein bisschen erinnert dieses Aroma an einen alten Schrank, der schon seit Jahren auf dem Dachboden steht. Wir sind enttäuscht.

das Sudwerk

Mit gemischten Gefühlen verlassen wir das Restaurant und gehen noch für einen kurzen Moment in den Nebenflügel, in die Pivnice, in der die Brauerei steht. Hier ist der Raucherbereich der Minipivovar Jižan, insofern halten wir uns in der dicken, nikotingeschwängerten Luft nicht länger auf als nötig. Schön sieht sie aus, die kupferne Anlage auf ihrem kleinen Ziegelmäuerchen. Blitzblank geputzt, im Licht der kleinen LED-Scheinwerfer schön glänzend. Viel sieht man nicht von der Technik, die beiden Pfannen stehen zu dicht beieinander, und alles Technische ist dahinter verborgen. Merkwürdig, dass hier auf einer so netten Anlage so mäßige Biere gebraut werden.

Für einen Moment überlege ich, ob ich mir von den anderen drei Sorten, die ich hier nicht verkostet habe, noch je eine PET-Flasche mitnehme soll, aber angesichts der Erfahrungen mit den ersten beiden Sorten und angesichts des eigentlich gut gefüllten Bierkühlschranks daheim verzichte ich lieber. Vielleicht ergibt sich irgendwann einmal wieder die Möglichkeit, hier vorbeizukommen und zu überprüfen, ob das Bier wirklich dauerhaft so unbefriedigend schmeckt, oder ob wir einfach nur eine ungünstige Phase erwischt haben.

Die Gastronomie im Hotel Na Jižní ist täglich von 08:00 bis 23:00 Uhr geöffnet; sonnabends und sonntags ab 11:00 Uhr. Kein Ruhetag. Die Pivnice, in der auch das Sudwerk der Minipivovar Jižan steht, ist als Raucherbar täglich von 10:00 bis 22:00 Uhr geöffnet, ebenfalls ohne Ruhetag. Zu erreichen sind Hotel und Brauerei bequem mit dem Auto, es gibt einen gebührenfreien Parkplatz hinter dem Haus. Alternativ bietet sich die Bahn an – bis zum Bahnhof von Přerov sind es etwa 600 m Fußweg, weniger als zehn Minuten.

Bilder

Minipivovar Jižan
Jižní čtvrť III/11
750 02 Přerov
Tschechien

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Rodinný Pivovar JadrníčekNáměšť na HanéCZE

Moravia, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2017. Dies sind die Abenteuer des Bierbloggers vom Brunnenbräu, der mit seiner holden Ehefrau seit 20 Jahren unterwegs ist, um fremde Brauereien zu erforschen, neue Biere und neue Aromen. Viele Kilometer von der Heimat entfernt dringt er in Brauereien vor, die kaum ein Mensch zuvor gesehen hat.

die Brauerei

Computerlogbuch des Brunnenbräu, Erdzeit 29. Januar 2017, der Chief Beer Officer:

„Die im Internet vorgefundenen Daten scheinen fehlerhaft zu sein. Entgegen den Angaben unseres Navigators ist der Ausschank der Rodinný Pivovar Jadrníček an Sonntagen nicht geöffnet. Wir stehen vor verschlossenen Türen. Wir dokumentieren für die Daheimgebliebenen die Existenz dieser Brauerei, werden aber heute keinen Kontakt zu den Einheimischen aufnehmen können. Das weitere Erforschen dieser noch weitgehend unbekannten Brauerei wird einer künftigen Expedition vorbehalten bleiben. Ich habe den Ersten Offizier angewiesen, die bisher bekannten Daten zur Brauerei im Computer zu speichern und für zukünftige Generationen abrufbar zu halten. – Ende des Eintrags.“

die angeblichen Öffnungszeiten

Die im Jahr 2014 gegründete Rodinný Pivovar Jadrníček in der Mitte des Orts verfügt über einen kleinen Ausschank, der nach eigenen Angaben täglich ab 14:00 Uhr geöffnet ist – sonnabends und sonntags bereits ab 11:00 Uhr. Ein Aushang am Tor informiert jedoch, dass sonntags geschlossen ist. Zu erreichen ist sie mit dem Auto (Parkmöglichkeiten entlang der Straße) oder mit der Bahn (der Bahnhof ist etwa 300 m entfernt).

Bilder

Rodinný Pivovar Jadrníček
Komenského 318
783 44 Náměšť na Hané
Tschechien

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Pivovar Velké Popovice „Kozel“Velké PopoviceCZE

„… und jetzt werden wir zu einem japanischen Konzern gehören. Ob und wie es mit uns weiter geht, das ist ungewiss!“ Die Dame, die uns fast anderthalb Stunden lang fachkundig durch die Brauerei und das Museum geführt hat, gut bedauernd, und es sieht aus, als befürchte sie das Schlimmste.

Die 1874 von Franz Ringhoffer eröffnete Pivovar Velké Popovice, Brauerei Großpopovitz, besser bekannt unter ihrem Markennamen Kozel, wuchs relativ rasch, überlebte zwei Weltkriege und den Sozialismus. 1992 wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, später dann mit den Brauereien Radegast und Pilsener Urquell fusioniert. Seit 2002 gehören die fusionierten Brauereien zu South African Breweries (SAB), die wiederum mit Miller zu SABMiller fusionierten. In 2016 betrieb der Weltmarktführer ABInBev die Übernahme von SABMiller, wollte sich aber auf Druck der Kartellbehörden im Zuge der Übernahme vom SABMiller-Europageschäft trennen – eine Gelegenheit, die der japanische Bierkonzern Asahi ergriff. Hundertvierzig Jahre tschechischer Brautradition kommen nun also in japanische Hand. Kein Wunder, dass sich das Personal hier vor Ort als Spielball im Ringen um Marktanteile fühlt.

Doch genug der Investmentspielchen, zurück zum hier und heute:

das Eingangstor zur Brauerei

Wir stehen im Besucherzentrum der Brauerei Kozel. Ein kleiner Souvenirshop mit Gläsern, Krügen und sonstigen Andenken, gerne auch eine komplette Ausstattung mit Lederschürze, Hose, Schlappen und Mütze. Was immer der Markenfanatiker sich wünschen mag. Ein kurzer Blick nur, der Gedanke an die übervollen Regale daheim und an den nächsten Umzug, und tapfer passieren wir die Kasse, ohne etwas zu kaufen außer der Karte für die anschließende Brauereiführung.

Und da geht es auch schon los. Pani Edita nimmt unsere kleine Gruppe unter ihre Fittiche und führt uns zunächst ins alte Sudhaus, das die Ausstellung der Geschichte der Brauerei beherbergt. Beginnend mit dem Kupferschmied Ringhoffer, der die Idee zur Brauereigründung hatte, über die ersten Erfolge, die Fährnisse in den beiden Weltkriegen und die stetige Modernisierung. Selbst die Zeit, in der der Schriftzug am Eingang der Brauerei in sozialistischem Rot leuchtete und vom fünfzackigen Sowjetstern gekrönt war, hat die Brauerei gut überstanden.

Ein uralter Kupferbottich und ein nicht ganz so alter, aber dennoch schon veralteter Stahlbottich stehen hier im alten Sudhaus einträchtig nebeneinander, legen Zeugnis davon ab, wie schnell sich die Brauereitechnik weiterentwickelt. Das neue Sudhaus steht nur wenige Meter weiter, und auch wenn es auf den ersten Blick altmodisch wirkt – unter den Kupferhauben verbirgt sich moderne und effiziente Technik.

das Sudhaus – moderner, als es aussieht

Ohne jede nostalgische Verblendung: Die gewaltigen zylindrokonischen Gärtanks. Wie eine Raketenbatterie stehen sie in der riesigen Halle, zum Abschuss bereit. Keine Brauereiromantik mehr, nur Effizienz und Edelstahl. Im Keller unter der Halle noch ein paar Reminiszenzen an früher. Eine alte Fassfüllanlage, und daneben eine schön gearbeitete Theke, die von einem Geißbock, einem Kozel, geziert wird. Wir bekommen die Gelegenheit, die Kozelbiere zu verkosten – und wie es bei Brauereibesichtigungen immer so ist: Das perfekt gepflegte Bier, direkt aus dem Tank und unmittelbar nach der Fassabfüllung, schmeckt am besten, und so überzeugen sowohl das Dunkel, das Černý 13°, als auch das Obergärige, das Ale 11°, rundum. Leicht röstig und mit einer angenehmen Restsüße das Dunkle, und fruchtig-komplex, fast schon belgisch wirkend, das Ale.

Ein kurzer Blick in die Abfüllerei darf natürlich nicht fehlen, wenn sie auch heute, an einem Sonntag, nicht in Betrieb ist und daher nur halb so beeindruckend wirkt wie erwartet.

Bevor es schließlich wieder in Richtung Ausgang geht, müssen wir noch den Ziegenbock Olda besuchen. Der Bock, das Symbol der Brauerei von Anfang an, ist seit vielen Jahren auch das lebende Maskottchen. Mittlerweile ist es schon der siebte Ziegenbock, der hier in seinem kleinen Stall lebt – wie alle seine Vorgänger heißt er Olda, benannt nach dem Pfleger Oldřich Lenc, der für den allerersten Ziegenbock verantwortlich war.

Nachdem alle Besucher ihn haben kraulen dürfen (und nun entsprechend stinkende Finger haben…), stehen wir wieder im Besucherzentrum und lauschen den niedergeschlagenen Worten Editas über die ungewisse Zukunft der Brauerei. Interessant war es, und ein großes Lob an Edita, die die Führung nicht nur routiniert abspulte, sondern mit Herz und Begeisterung dabei war und auf wirklich alle Fragen eine Antwort geben konnte.

die alte Fassfüllerei

Was liegt näher, als die Brauereibesichtigung nun mit einem guten Essen und einem letzten Bier im Brauereirestaurant Velkopopovická Kozlovna abzuschließen?

Aber ach, was für eine Enttäuschung. Zwar ist es gemütlich eingerichtet und auf den ersten Blick sehr einladend, aber wie soll man sich hier wohl fühlen, wenn alle Kellner und Kellnerinnen, das gesamte Personal missmutig herumläuft, die Gäste kurz angebunden und muffelig bedient, und wenn dann auch noch eines der beiden bestellten Essen wenig appetitlich auf den Teller geknallt wird und die – für hiesige Verhältnisse durchaus teure – Portion nicht reicht, um satt zu werden? Nein, das ist kein schöner Abschluss für einen ansonsten sehr angenehmen Brauereibesuch. Das haben wir an anderer Stelle schon viel besser, gastfreundlicher und schmackhafter erlebt. Und der Gipfel ist, dass das angebotene und kräftig beworbene Sonderbier Rubinový Ležák gar nicht aus der eigenen Kozel-Brauerei kommt, sondern aus der Gambrinus-Brauerei. Zwar aus dem gleichen Brauereiverbund, aber dennoch: Im brauereieigenen Restaurant hätten wir ein wenig mehr Stolz auf die eigenen Produkte erwartet. Nicht schön!

Das Besucherzentrum mit Souvenirverkauf der Pivovar Velké Popovice ist täglich von 10:00 bis 16:00 Uhr, im Sommer bis 18:00 Uhr, geöffnet. Führungen finden im Winter (Oktober bis März) sonnabends und sonntags um 13:00 Uhr statt, im Sommer (April bis September) täglich um 13:00 und um 15:00 Uhr. Das direkt am Brauereieingang gelegene Brauereirestaurant Velkopopovická Kozlovna ist täglich ab 10:30 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Zu erreichen ist die Brauerei am besten mit dem Auto, es sind zehn Minuten von der Autobahn D1. Parkplätze gibt es gebührenfrei direkt am Eingang. Alternativ bieten sich die Buslinien 363 und 461 an.

Bilder

Pivovar Velké Popovice „Kozel“
Ringhofferova 1
251 69 Velké Popovice
Tschechien

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Rodinný Pivovar Svatý FloriánLoketCZE

„Immer nur von einer Brauerei zur nächsten zu reisen – wird das denn nicht irgendwann langweilig?“ – Manchmal, wenn ich diese Frage gestellt bekomme (und natürlich für mich sofort verneine), denke ich nach, was wohl meine holde Ehefrau dazu sagen würde.

Aber, wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass diesbezügliche Bedenken völlig unangebracht sind, dann war es unser Ausflug nach Loket.

Loket? Nie gehört.

Eben. Aber mein schlaues Telefon zeigte mir in einer interaktiven Landkarte, dass es dort eine Brauerei gebe. Und so kam es, dass das Bier uns einmal wieder eine Perle, ein touristisches Kleinod bescherte. Und zwar abseits vom Bier.

Loket, auf Deutsch Elbogen, ist ein wunderhübsches historisches Städtchen, nicht weit von Karlsbad entfernt. Seine gerade mal 3000 Einwohner siedeln unterhalb der Burg auf einem Granitrücken, der von dem kleinen Flüsschen Eger fast komplett umströmt wird. Der enge Bogen dieses Flüsschens hat der Stadt ihren Namen gegeben – Loket heißt auch auf Tschechisch Ellbogen. Und niemals, wenn es denn hier nicht eine Brauerei gäbe, hätten wir dieses sehenswerte Städtchen besucht.

Also: Bierreisen sind langweilig? Nein, im Gegenteil. Sie zeigen uns Orte, die wir ohne das Bier niemals angefahren wären.

Jetzt aber genug von der Stadt, wir stehen mittlerweile vor der Brauerei, der Rodinný Pivovar Svatý Florián. Beziehungsweise vor dem großen Hotel Císař Ferdinand. Prächtig und eindrucksvoll steht es vor uns, wirkt einladend, und hätten wir nicht schon eine Reservierung ein paar Kilometer weiter, würden wir sofort hier übernachten wollen. Aber mehr noch als die Fassade des Hotels interessiert uns die Aufschrift Pivovar.

winterliches Brauerei-Idyll

Rechts neben dem Hotel geht es in die Einfahrt. Wir stapfen durch den Schnee; große Holzfässer weisen uns den Weg. Am Ende des Gebäudes geht eine kleine Treppe in den Keller, die Pivnice. Unter dem Ziegelgewölbe kauert sich links eine kleine Theke in den Winkel, vor uns ein halbes Dutzend Biertische, und am Ende des Kellerraums ein kupfernes Sudwerk. Recht groß, fast schon ein wenig überdimensioniert für den niedrigen Kellerraum, aber schön anzusehen.

das Sudwerk

Rechts neben dem Sudwerk geht es noch einmal ein paar Stufen tiefer, und wir kommen in einen zweiten Kellerraum, der ebenfalls als Schankraum, aber auch als kleines Museum der Geschichte der Brauerei dient. Eine kleine, historische Theke steht als Ausstellungsstück in der Ecke, eine Puppe als Schankkellner zapft ein frisches Bier. Die Zeit ist stehengeblieben, reglos steht sie da, das Glas wird und wird nicht voll, der Schaum wird niemals zerfallen.

In die Wände dieses kleinen Raums sind Glasvitrinen eingelassen mit einer schönen Sammlung historischer Bierflaschen, mit alten Utensilien und zahlreichen Dokumenten aus dem vergangenen Jahrhundert. Ich wandere von Vitrine zu Vitrine und begebe mich auf eine Zeitreise, die mich viele Jahrzehnte zurückführt, bin mit den Gedanken in einer völlig anderen Ära. Bis mir irgendwann meine holde Ehefrau auf die Schulter tippt. „Möchtest Du denn auch etwas trinken, oder reicht es Dir, hier im Saal herumzustehen?“

Ich werfe einen raschen Blick in die Bierkarte – vier Sorten werden angeboten. Neben „normalem“ Hellem und Dunklem gibt es ein Rauchbier und ein Rubin. Die Entscheidung fällt also leicht. Ich tippe auf das Rauchbier, das Tmavý Uzený Speciál 13°, und der Kellner nickt anerkennend. „Unser Bestes!“, sagt er und eilt davon.

In der Tat. Das Bier ist wirklich sehr gut. Das Raucharoma ist präsent, ohne aufdringlich zu wirken. Weder hat es unangenehm torfige noch verkohlt-verschwelte Aromen, sondern erinnert eher an ein frisch angefachtes Holzfeuer. Dazu ein kräftiger Malzkörper und eine schöne mittelbraune Farbe. Ein gutes Bier, und sicherlich auch für den Rauchbier-Anfänger geeignet, um ihn sachte an diese Aromenwelt heranzuführen.

Blick in die Geschichte der Brauerei

Das zweite Bier, das Rubínový Speciál 15°, steht dem Rauchbier qualitativ nicht nach. Kräftig malzig, mit leichten, aber nicht zu intensiven Melanoidin-Noten. Würzig und vollmundig, ein wenig wärmend und sättigend. Genau das richtige Bier für einen frostigen Winterabend so wie heute.

Durch die Glasscheibe, die den unteren Kellerraum nach hinten abschließt, betrachten wir noch die Lagertanks. Sauber aufgereiht, dicht an dicht, stehen sie dort. Schlichte, stählerne Eleganz.

Gerne hätten wir jetzt noch den beworbenen Souvenirshop besucht und vielleicht einen schönen Krug oder ein anderes Andenken gekauft, doch leider ist er heute Abend bereits um sieben Uhr geschlossen worden. Der einzige ärgerliche Moment heute. Zumindest können wir uns aber an der Theke eine Ein-Liter-PET-Flasche füllen lassen und nehmen noch das Světlý Ležák 11° mit, um es später im Hotel gemeinsam trinken zu können.

Die Rodinný Pivovar Svatý Florián befindet sich im Keller des Hotels Císař Ferdinand mitten in Lokets historischer Altstadt. Sie ist täglich von 11:30 bis 22:00 Uhr geöffnet; kein Ruhetag. Es werden vier verschiedenen Biersorten angeboten; dazu gibt es solide und qualitative regionale und internationale Küche. Zu erreichen ist die Brauerei bequem mit dem Auto, es gibt aber nur sehr wenige Parkplätze in der Altstadt. Wenn man außerhalb parken und über die Eger laufen muss, dann kann man auch gleich mit dem Zug kommen – der Bahnhof ist etwa fünfhundert Meter Fußweg von der Brauerei entfernt.

Bilder

Rodinný Pivovar Svatý Florián
T. G. Masaryka 136
357 33 Loket
Tschechien

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Velkorybnický HastrmanVelký RybníkCZE

Irgendwo am Ende der Welt. Ein winziger Weiler namens Velký Rybník. Gefühlt vielleicht 200 Einwohner? Am Rande des Orts ein großer Teich, der heute, am 21. Januar 2017, natürlich zugefroren ist. Schon seit Wochen liegen die Temperaturen nachts unter -10°, die ganze Welt scheint eingefroren, alles geht nur noch in Zeitlupe.

Und mitten im Dörfchen ein hellgelb gestrichenes Haus, ein heller Farbtupfer im winterlichen Grau: Domácí Pivovárek – Velkorybnický Hastrman – U Hastrmana steht an die Fassade geschrieben. Die Kleine Hausbrauerei Zum Wassermann.

die Gaststube

Auf den ersten Blick ein einfaches Wohnhaus mit einem großen Wintergarten. Auf den zweiten Blick, und nachdem wir eingetreten sind, auch. Wintergarten und Erdgeschoss des Hauses sind in Eigenarbeit in ein kleines, gemütliches Restaurant umgebaut worden. Kein Innenarchitekt, auch keine Firma, die teure Materialien verwendet haben, sondern einfaches, helles Holz und Deko-Artikel, die sich über die Jahre angesammelt haben. In der Ecke ein Kamin, in dem zwei gewaltige Holzscheite lichterloh brennen und den ganzen Raum mit kuscheliger Wärme füllen.

Wir suchen uns ein Plätzchen nicht zu weit weg vom Kamin, möchten nach langem Spaziergang in der eisigen Luft langsam wieder auftauen. Überall an den Wänden hängen einfache Bilderrahmen mit Bieretiketten – eine tolle Sammlung. Erst nach einem kurzen Moment fällt uns auf, dass es keine Sammlung von Etiketten aus der ganzen Welt ist, auch wenn sie so bunt und abwechslungsreich ist. Nein, es sind samt und sonders Etiketten der hier gebrauten Biere.

Mit viel Liebe scheint der Brauer zu jedem Sud, den er ansetzt, ein neues Etikett zu kreieren, jedem Bier einen neuen Namen zu geben, jedes Mal ein neues Rezept auszuprobieren. Wir sind gespannt, welche Sorten es derzeit gibt, und nehmen die Getränkekarte zur Hand. Unsere Augen werden groß und rund. Mindestens sieben oder acht verschiedene Biere gibt es hier, und zwar nicht nur Helles mit unterschiedlicher Stammwürze von 10° bis 13°, wie man es hier in Tschechien so oft antrifft, sondern wirklich verschiedene Biere. Helles, Dunkles, Weizen, Halbdunkles, Winterbier, Kellerbier, India Pale Ale… Gerne auch als Radler mit Agaven-Limonade.

Nicht nur, dass jedes Bier sein eigenes Etikett hat, nein, zu jedem Bier gibt es auch eine eigene DIN-A-4-Seite in der Getränkekarte. Schön laminiert, mit detaillierten Beschreibungen, netten Grafiken, und es ist es Freude, in dem kleinen Ringordner Seite um Seite umzublättern und neugierig das Angebot zu erkunden.

Brauerei Zum Wassermann

Wir hören ein dezentes Räuspern. Die Wirtin steht neben uns. Ganz alleine bewirtschaftet sie das kleine Restaurant heute Nachmittag, und sie hat keine Zeit, ewig neben uns zu stehen und zu warten, bis wir die ganze Karte von vorne bis hinten und wieder zurück studiert haben. Also, ein schneller Entschluss: Ich nehme das Winterbier. Und für meine holde Ehefrau, die heute einmal wieder am Steuer sitzen muss, einen Früchtetee.

Das Winterbier, oder Zimní Speciál, wie es richtig heißt, entpuppt sich als kräftiges Märzen. 5,5 % Alkohol, leicht bräunliche Farbe, aromatisch-malzig, mit leichten Melanoidin-Noten. Durchaus lecker.

Im Internet suchen wir ein wenig mehr Informationen über die kleine Brauerei, quälen uns aber durch die einzeln hereintropfenden Bits und Bytes. Eigentlich gibt es fast überall in Tschechien ein gutes LTE-Netz, aber hier, in Velký Rybník, am Ende der Welt, starre ich nur auf einen einzigen, winzigen GSM-Balken. Aber immerhin, ein paar Daten bekommen ich zusammen:

Seit 2005 braut Luboš Vorel hier auf einer winzigen Anlage. Zunächst als Hausbrauer, und nachdem sein Bier den Nachbarn und der Familie gut geschmeckt hat, arbeitete er sich durch die Mühlen der Bürokratie, um nun seit September 2006 seine Sude unter der Marke Velkorybnický Hastrman zu verkaufen. Und ein Hastrman, ein Wassermann, ziert auch alle Etiketten. Die Karikatur zeigt ein kleines Männchen mit Glubschaugen, algenartigen Haaren, einer Wasserschnecke im Haar, grün angezogen und rittlings, aber rückwärts auf einem Wels sitzend.

Neben den üblichen Standard-Bieren gab es in den vergangenen zehn Jahren Biere mit allen möglichen und unmöglichen Zutaten und nach immer neuen Rezepturen. Offensichtlich geht es Luboš Vorel aber nicht nur um das Experimentieren um des Experimentierens willen, denn die Produkte sind samt und sonders gut trinkbar, wovon eine Reihe Urkunden und Auszeichnungen an den Wänden des kleinen Restaurants zeugen.

IPA Šifra Enigma

Wenigstens ein zweites Bier möchte ich noch probieren, bevor es wieder weitergehen muss, und ich entscheide mich für ein India Pale Ale, das IPA Šifra Enigma, gebraut mit australischem Hopfen. Schöne Zitrusaromen betören die Nase, auf der Zunge spürt man eher harzige Noten, wenn auch die Zitrusfrüchte nicht völlig verschwinden, und im Abgang kommt dann eine knackige, sehr saubere Bittere zum Vorschein. Ein richtig gutes Bier!

Gerade als wir zahlen wollen, fällt – zum Glück noch rechtzeitig! – mein Blick auf den kleinen Kühlschrank neben der Theke: Alle Sorten gibt es auch in 1-Liter-PET-Flaschen zum Mitnehmen. Im Nu ist der Rucksack prall gefüllt, schwer stapfe ich durch den tiefen Schnee zurück zum Auto.

In kurzer Blick noch einmal auf das hellgelbe Häuschen. Urig und nett. Schade nur, dass ich das Sudwerk nicht habe sehen können – mit ehrlichem Bedauern erklärte mir die Wirtin, dass sie keine Erlaubnis habe, Besucher in die Brauerei zu lassen. Das hätten wir vorher mit dem Brauer direkt ausmachen müssen…

Die Domácí Pivovárek Velký Rybník ist täglich ab 14:00 Uhr bis zum recht frühen Abend (20:00 Uhr) geöffnet; sonnabends und sonntags schon ab 12:00 Uhr. Kein Ruhetag. Zu erreichen ist sie am besten mit dem Auto; man kann direkt vor der Tür parken. Es gibt zwar auch eine Buslinie (Karlsbad – Abertham), die hier entlangführt, aber „allzu oft fahren die Busse leider nicht“, sagt Luboš Vorel auf seiner Homepage.

Bilder

Velkorybnický Hastrman
Domácí Pivovárek Velký Rybník
Velký Rybník 9
363 01 Ostrov
Tschechien

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