Pivovar Karel IV.Karlovy VaryCZE

Becherovka – der berühmte Kräuterschnaps aus Karlsbad. Wo immer man in der Stadt einkehrt, die erste Frage lautet stets: „Möchten Sie sich ein wenig aufwärmen? Ein Becherovka gefällig?“ Und auch wenn die Schnapsproduktion nach dem alten Rezept des Apothekers Jan Becher mittlerweile unter dem Dach des Pernod-Ricard-Konzerns erfolgt, sind die Karlsbader nach wie vor stolz auf IHREN Becherovka.

So stolz, dass am unteren Ende der Fußgängerzone, dort, wo der Schnaps früher hergestellt worden ist und wo sich nun immerhin noch die Verwaltung der Firma befindet, mit dem Becherplatz ein touristisches Zentrum rund um den Becherovka entstanden ist: Ein überdachter Marktplatz mit kleinen, etwas kitschig auf alt getrimmten Souvenirlädchen, Cafes, Probierstuben und …

… einer Brauerei im Keller!

Pivovar Karel IV.

Der Zugang zur Pivovar Karel IV. ist ganz unauffällig. Eine unscheinbare Holztreppe führt vom Haupteingang des Becherplatzes in die Tiefe, aber kaum sind wir die Stufen hinuntergelaufen, finden wir uns in einem Labyrinth schier endloser Gänge wieder. Links und rechts finden sich kleine Nischen mit Tischen, an denen man in kleinen Gruppen ungestört sitzen und genießen kann. Teilweise sind die Nischen etwas größer, finden sich auch richtige Nebenräume, und aus einigen hat man durch eine Glaswand auch direkten Blick auf die Gär- und Lagertanks der Brauerei.

Wir laufen einen der Gänge bis zum Ende, kehren um, laufen zurück und stehen dann in der großen, zentralen Gaststube. Weit geschwungene Gewölbe aus dicken Sandsteinblöcken, verhältnismäßig niedrig, aber durch die Weite nicht bedrückend. Und mittendrin die kleine kupferne Brauerei. Ein holzverkleidetes Mäuerchen und ein kunstfertig geschmiedetes Gitter verwehren den Zutritt, gewähren aber einen schönen Blick auf die beiden polierten Kessel. Davor ein paar Schälchen mit verschiedenen Malzsorten als Dekoration und eine Anrichte mit Geschirr, Besteck und Gewürzen.

Gaststube und Sudwerk

Stimmengewirr erfüllt den Schankraum, es ist verhältnismäßig viel Betrieb. Unter einem der Gewölbebögen finden wir ein gemütliches Plätzchen, bewacht von freundlichen jungen Damen mit großen Biergläsern in der Hand, die als Wandmalerei auf uns herabschauen.

Schon kommt der Kellner herangewuselt, und auf meine auf Tschechisch gestotterte Frage, was für Biere es denn gebe, rattert er in fließendem Deutsch die fünf Sorten herunter: Elfgrädiges Helles, zwölfgrädiges Halbdunkles, zwölfgrädiges Weizen, dreizehngrädiges Dunkles und fünfzehngrädiges Spezial. Und dann gebe es noch Kräuter- und Früchtebier.

Ich beginne mit dem Halbdunklem, dem Polotmavý 12°. Malzig, rund, süffig. Ein bisschen Restsüße, nur dezent gehopft, sehr mild. Während ich Schluck für Schluck genieße, blättern wir in der dicken Speisekarte. Viele internationale Gerichte, viel typisch tschechische Brauhauskost. Die Auswahl ist gewaltig, die Portionen, wie wir an den Nachbartischen sehen, ebenfalls.

Und auch die Preise. Man merkt, dass Karlsbad vom Tourismus verdorben ist. Die Preise sind gut doppelt so hoch wie auf dem Land und erreichen ganz normales deutsches Niveau.

Zum großen Lammspieß mit grünen Bohnen, Bratkartoffeln und Speck, einem typisch tschechischen Diätteller also, trinke ich zunächst das Světlý 11°, ein frisches und leichtes, mit einem dezenten Hauch Diacetyl grüßendes Pilsener. Spürbar hopfig harmoniert es hervorragend mit dem kräftig-würzigen Lammfleisch. Ebenso wie das nächste Glas, das Pšenične 12°, das für ein Weizen hervorragend daherkommt. Leichte Gewürznelken-Aromen, spritzig, erfrischend.

gemütliche Nischen unter dicken Gewölben

Statt eines Desserts bestelle ich mir das Tmavý 13°, ein süßliches Dunkelbier. Der klassische, tschechische Stil, ähnlich wie man es auch in Prag im U Fleků bekommt. Enorm süffig, ganz leichte Röstaromen nur, schwach gehopft und malzig-süß. So ganz anders als die herben und schlanken deutschen Schwarzbiere.

Vier leckere Biere hintereinander, ohne jede Enttäuschung. Viel Glück gehört dazu, eine solche Serie serviert zu bekommen, und fast traue ich mich nicht, auch noch das Speciál 15° zu bestellen, aus Angst, die Serie könnte zu Ende sein.

Und in der Tat: Sie ist zu Ende. Aber im positiven Sinne! Das Speciál 15° entpuppt sich als fruchtiges, aromatisches Ale im belgischen Stil. Nicht übermäßig gehopft, rund und malzig, und obendrüber ein komplexer Strauß unterschiedlichster fruchtiger und estriger Aromen. Für ein belgisches Dubbel vielleicht nicht herb genug, für ein Golden Ale zu dunkel. Irgendwo dazwischen findet sich dieses Bier wieder und stellt den hervorragenden Abschluss meiner Verkostung dar. Chapeau! Der Braumeister hier, der Sládek, kann was und weiß, was er tut.

Um ehrlich zu sein: Diese Bierqualität hätte ich in einer so durchkommerzialisierten Gasthausbrauerei nicht erwartet. Prima! Und so kommt es, wie es kommen muss: Oben im Souvenirshop erstehen wir noch eine große Anderthalbliterflasche des leckeren belgischen Ales, des Speciál 15°.

Die 2012 eröfnete Pivovar Karel IV. ist täglich ab 11:00 Uhr durchgängig geöffnet; kein Ruhetag. Parken kann man gebührenpflichtig bis maximal drei Stunden Dauer direkt vor der Tür; es empfiehlt sich aber, mit Bus oder Bahn zu kommen. Bahnhof und Busbahnhof sind nur etwa 150 m entfernt.

Bilder

Pivovar Karel IV.
T. G. Masaryka 282/57
360 01 Karlovy Vary
Tschechien

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Štiřínský PivovarŠtiřínCZE

„Ach ja, Velké Popovice, Groß Popowitz, kennt man ja… Bier, das man unter dem Namen Kozel auch in allen gut sortierten Getränkemärkten in Deutschland bekommt.“ Gedanklich winke ich ab und will die interaktive Landkarte schon schließen, als mein Blick auf einen kleinen Pin nur Millimeter links davon fällt.

Ich zoome heran: Štiřínský Pivovar. Sagt mir gar nichts. Štiřín ist ein winziges Dörfchen, und ein altes Schloss soll es da geben. Aber eine Brauerei? Das ist mir neu. Und so ist es denn selbstverständlich, dass ich am 20. Januar 2017 einen kleinen Abstecher von der Autobahn mache und hier vorbeischaue.

Restaurant und Brauerei
Eingang

Es ist bitterkalt, und der Schnee knirscht unter den Reifen, als wir auf den kleinen Parkplatz fahren. Štiřínská Stodola, die Stiriner Scheune, steht groß an der Stirnwand des Gebäudes, und darunter „Restaurace, Pivovar, Hotel, Gril“. Alles Wörter, die auch ohne Tschechisch-Kenntnisse verständlich sind. Nix wie hinein, also.

Uns empfängt ein bunt und recht künstlerisch geschmückter Gastraum. Bilder mit moderner Kunst, teils recht abstrakt, hängen an den Wänden, die Farben sind fröhlich ohne zu grell zu wirken, und ein Kunstschmied hat viele Stunden Arbeit in die Dekoration des Raums gesteckt. Nett schaut’s aus.

Rechter Hand die Theke, liebevoll, aber fast ein wenig überladen mit leeren 5-l-Partyfässchen dekoriert, und gegenüber das Sudwerk. Ich bin überrascht: Winzig klein sind die beiden kupfernen Geräte, eng beieinander stehen sie, in eine Art Theke integriert. Dahinter nur wenig Platz für den Brauer – übergewichtig darf er wohl nicht sein, wenn er sich dort bewegen können möchte. Vor, neben und zwischen den beiden Kesseln eine Menge Deko, und auf einem Bord dahinter eine Sammlung von leeren Bierflaschen. Urig schaut’s aus.

die Gaststube

Wir suchen uns einen Tisch direkt an der Heizung – draußen hat es -11° C, wir wollen es kuschelig warm haben. Die junge Kellnerin kommt an den Tisch und legt uns ohne viel Worte die einfache Speisekarte hin. Ein paar preiswerte Hauptgerichte, und vier Sorten Bier. Etwas Deftiges zu Essen ist schnell ausgewählt, und dazu hätte ich gerne das etwas kräftigere Vierzehner Bier, ein, so der Name auf der Karte, Sankt-Martins-Bier.

Nun, Sankt Martin ist schon eine Weile her, und richtig: Die Bedienung zuckt bedauernd die Schultern. Ausgerechnet dieses Bier gebe es nicht mehr. Nun denn, dann halt das nächstschwächere, das Dreizehner. Ale Fantasia nennt es sich, und ich bin gespannt, was sich dahinter verbirgt.

Sehr hell und fast klar kommt es auf den Tisch, nur ganz leicht opak. Sieht lecker aus, riecht auch appetitlich. Leichte Esternoten, glaube ich zu spüren. Im Mund dann aber eher enttäuschend. Ein kartonartiger Geschmack breitet sich aus, so, als sei das Bier kräftig oxidiert. Ich bin ein wenig enttäuscht. Trinkbar ist es, aber kein großer Genuss.

das Sudwerk

Die Gnocchi mit Spinat und gebratener Hühnerbrust machen da schon ein wenig mehr Freude – eine sehr ordentliche und leckere Portion, die mir für wenig mehr als drei Euro serviert wird. Dazu trinke ich jetzt das einfache helle Lager, das Světlý Ležák 12°. Ein simples Trinkbier, unauffällig und ohne Geschmacksfehler. Nichts Besonderes, aber in Ordnung.

Gewissermaßen als Dessert dann noch das Dunkle, das Tmavý Speciál 13°. Hier bin ich wieder eher enttäuscht. Wässrig-süßlich, mit einem merkwürdigen Beigeschmack, und für ein Dreizehner viel zu dünn wirkend. Kann man trinken, muss man aber nicht. Würde ich mir definitiv kein zweites Mal bestellen.

Tja, insgesamt sind wir also ein bisschen unzufrieden. Es ist ganz nett, wenn man hier vorbeikommt und Hunger hat – das Essen ist solide und sehr preiswert. Auch die Atmosphäre ist angenehm, und die Lage ist wunderschön – im Frühjahr ist es hier bestimmt paradiesisch. Aber die Biere sind weniger als nur Durchschnittsware, leider. Keines dabei, wo wir uns gewünscht hätten, noch eine Flasche für den gemütlichen Genuss daheim mitzunehmen.

Der 2010 gegündete Štiřínská Stodola mit seiner Štiřínský Pivovar ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Neben dem selbstgebrauten Bier wird einfache, aber leckere Küche geboten. Ab und an finden Weinverkostungen statt, und eigene Appartements zum Übernachten werden ebenfalls angeboten. Zu erreichen ist die Brauerei in sieben, acht Minuten von der Autobahn, Parkplätze gibt es direkt vor der Tür, oder man nimmt die Buslinie 461.

Bilder

Štiřínský Pivovar
Želivecká 707
251 68 Štiřín
Tschechien

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Šumický Pivovar VildenbergViničné ŠumiceCZE

Viničné Šumice, ein kleines Dörfchen, nur wenige Kilometer von der Autobahn und von der zweitgrößten tschechischen Stadt Brno entfernt, und doch so einsam gelegen.

Malzsäcke im Eingangsbereich des Restaurants

Wir biegen von der Autobahn ab, fahren noch ein paar hundert Meter auf der Bundesstraße, und als wir diese verlassen, breiten sich hinter einem Hügel nur noch Felder und Wälder aus. Im Grau des späten Winternachmittags ist kein Licht mehr zu sehen, keine Häuser, nichts. Erst hinter der nächsten Hügelkette taucht Viničné Šumice auf, malerisch an die Flanke der letzten Ausläufer des mährischen Karsts gebaut.

Vorsichtig schlittern wir die Kehren in der Ortsmitte hoch. Hier ist irgendwann mal geräumt und gestreut worden, aber das war vor dem letzten Schneefall, nicht danach. Und schließlich stehen wir vor dem schmucklosen, kastenförmigen Gebäude der Šumický Pivovar Vildenberg.

Der Name stammt aus dem Mittelalter. In der Nähe der heutigen Brauerei befand sich die Burg Vildenberg, eine der größten Burgen in Mähren, benannt nach ihrem Gründer Půta z Vildenberka. Aber ihr war keine lange Existenz beschieden. Markgraf Jošt Lucemburský übernahm die Burg, verkaufte sie jedoch rasch, und sie wurde geschleift und ihre Steine genutzt, eine Kirche und mehrere Befestigungen in den nahegelegenen Weilern Pozořice und Kovalovice zu bauen.

Polotmavý Ležák
Speciál 14°

Viele hundert Jahre später, 2013, begannen in Viničné Šumice die Arbeiten, eine neue Brauerei zu errichten, und als sie im Sommer 2014 ihre Produktion begann, wurden die Anwohner gefragt, welchen Namen sie tragen solle. Sie entschieden sich für den historischen Bezug zur Burg, und somit heißt die junge Gasthausbrauerei nun also Šumický Pivovar Vildenberg.

Genug doziert. Jetzt gehen wir hinein!

Uns empfängt ein großer, schlichter, aber nicht ungemütlicher Schankraum. Die Wände sind mit Emailletafeln von Brauereien und Biermarken dekoriert; an der Stirnwand hängt eine Leinwand, auf der bei Bedarf Fußball- und Eishockeyspiele übertragen werden können. Rechter Hand eine winzige Theke mit drei Zapfhähnen, wo das im Keller gebraute Bier ausgeschenkt wird. Draußen ist es zwar bitterkalt, aber die Heizkörper in der Gaststube glühen, und es ist kuschelig warm.

Zwei helle Biere habe sie, erklärt uns die freundliche Kellnerin. Ein Zehner und ein Zwölfer. Das seien die Standardbiere, die es immer gibt. Und daneben gebe es ein Sonderbier, das wäre zurzeit ein Halbdunkles mit 14°. Wir bestellen zunächst das Zehner, also das Výčepní Světlé Pivo 10°, wie es offiziell heißt. Dazu einen Nakladaný Hermelín, einen in Öl und Kräutern eingelegten Käse.

Das Bier riecht ganz dezent nach Diacetyl, ein Hauch nur, und hat für seine geringe Stammwürze einen überraschend kräftig malzigen Geschmack. Passt gut zum würzigen und fast schon streng aromatischen Käse.

Světlý Ležák 12°

Das zweite Bier, das Zwölfer, beziehungsweise das Světlý Ležák 12°, kommt, wie schon das erste Bier, mit einer festen und stabilen Schaumkrone daher. Im Duft kein Diacetyl, stattdessen eine ganz, ganz leicht metallische Note. Ein erster, großer Schluck und eine nicht minder große Überraschung. Glatt und sauber, sehr klar schmeckt es, fast schon ein wenig wässrig. Hätten wir es nicht ausdrücklich andersherum bestellt, würden wir denken, dieses sei das Leichtere der beiden hellen Biere. Ein gutes Bier zum Durstlöschen im Sommer, aber kein so idealer Begleiter zum würzigen Käse.

Der Käse ist alle, und anstelle eines Desserts bestellen wir uns das Sonderbier, das Polotmavý Ležák Speciál 14°. Ein karamelliger, ein bisschen in Richtung Honig changierender Duft, ein voller, runder und etwas malzsüßlicher Schluck. Kräftig und süffig, dieses Bier, und es ersetzt locker den Nachtisch.

Einen Moment bleiben wir noch sitzen, genießen die wohlige Wärme in der Gaststube und beobachten die anderen Gäste. Eine Dame sitzt ganz allein an einem Tisch am Eingang, ihren kleinen Wanderrucksack neben sich an die Wand gelehnt. Sie ist mittlerweile beim dritten großen Speciál – die Wanderung muss lang gewesen sein. So typisch für Tschechien: Während im Rest der Welt das weibliche Geschlecht langsam und aus kleinen Gläschen trinkt, ist es hier das Normalste der Welt, dass auch die Damen große Humpen vor sich stehen haben und sich nicht nur auf einen davon beschränken. Alltag, das heißt Bier, und Bier ist Alltag. Es gehört einfach immer dazu.

Ab und an kommen Menschen aus der Nachbarschaft, holen sich eine oder zwei PET-Flaschen mit anderthalb Litern Bier für zuhause, packen sie zu ihren Einkäufen aus dem nahegelegenen Supermarkt in die Tasche und gehen weiter.

aus der Homepage der Brauerei

Wir fragen die freundliche Kellnerin, wo denn nun die Brauerei genau stehen würde, und ob man sie vielleicht auch anschauen könne. „Genau unter Euch“, lacht sie und zeigt mit dem Finger auf den Boden. Aber eine Besichtigung ginge nur im Rahmen einer angemeldeten Führung, da müsse sie uns leider enttäuschen, heißt es weiter. Schade.

Uns bleibt nichts Anderes übrig, als ohne Blick auf die Sudkessel aufzubrechen. Wir fragen nach der Rechnung und machen große Augen: Drei Biere, Kaffee, Tee, Käse, Brot, Kartoffelpuffer, alles zusammen für gerade einmal 200,- CZK, weniger als acht Euro. Hier auf dem Dorf, da ist die Welt noch in Ordnung!

Das Burgrestaurant, Hradská Restaurace, der Šumický Pivovar Vildenberg ist täglich ab 16:00 Uhr geöffnet, kein Ruhetag. Es gibt neben den eigenen Bieren kleine Snacks wie Käse, Würstchen oder Kartoffelpuffer, dazu eine kleine Auswahl an Pizzen. Die Brauerei selber befindet sich im Keller des Gebäudes, ist jedoch nur nach Anmeldung zu besichtigen. Zu erreichen sind Restaurant und Brauerei bequem mit dem Auto, fünf Minuten von der Autobahn D1 entfernt, Parkmöglichkeiten unterhalb des Restaurants entlang der Straße. Oder man kommt mit dem regelmäßig etwa einmal pro Stunde verkehrenden Bus, der in der Ortsmitte hält, dreihundert Meter entfernt.

Bilder

Šumický Pivovar Vildenberg
Viničné Šumice 389
664 06 Viničné Šumice
Tschechien

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Vesnický Pivovar OhradaVísky u LetovicCZE

„Ferien auf dem Bauernhof?“ – „Klingt ja ganz romantisch, aber…“

„Und wenn der Hof eine eigene Brauerei besäße?“ – „Ich bin schon dabei, die Koffer zu packen!“

Nun, der Dialog ist zwar nicht ganz so abgelaufen, hätte aber können…

Im winzigen Dörfchen Vísky irgendwo weit draußen in Mähren befindet sich das Agrocentrum Ohrada („Koppel“), ein Bauernhof mit Pferden für den Ausritt, einem Spa, einer eigenen Gastronomie und seit einiger Zeit auch mit einer eigenen Brauerei. 2004 wurde das Zentrum eröffnet, das Spa kam 2006 hinzu. Man züchtet schottische Highland-Rinder, deren Steaks natürlich auch im Restaurant auf dem Teller landen, und 2013 wurde in der großen Scheune eine Brauerei eingerichtet.

Blick in das „Schaufenster“

Der Schnee knirscht unter den Autoreifen. Bei sibirischer Kälte von -18° C rollen wir auf den Hof des Agrocentrum Ohrada und stellen den Wagen direkt vor das Schaufenster der Brauerei, der Vesnický Pivovar Ohrada. Für einen kurzen Moment bleiben wir noch im kuschelig warmen Auto sitzen und genießen den Blick direkt auf die silbrig glänzenden Braukessel, aber dann treiben uns Hunger, Durst und Neugier doch in die Kälte hinaus.

Wir stapfen am Gebäude entlang, über die Veranda und betreten die Gaststube. Bullige Hitze. Der Kamin an der Seitenwand scheint zu glühen, hoch lodern die Flammen hinter der Glaswand. Wunderbar. Draußen eisige Kälte, hier drinnen die gemütliche Wärme, dazu der Blick auf den verschneiten Hof, auf den sich langsam die Dämmerung herabsenkt. Schön!

Die Einrichtung ist konsequent in rustikal bearbeitetem Holz gehalten, neben dem Kamin als einziges Zugeständnis an die moderne Plastikwelt eine Spielecke für Kinder mit quietschbuntem Spielzeug.

Der freundliche Kellner legt uns die Speisekarte hin und überbringt uns feierlich die schlechte Nachricht: Es täte ihm fürchterlich leid, aber das halbdunkle Pacholek mit 12° gebe es derzeit nicht, sondern nur die anderen beiden Sorten, das helle Bejček mit 11° und das Honigbier Meďák mit 15°. Er schaut so bedauernd und traurig drein, dass wir lachen müssen, und wir bestellen ein Meďák und… ein alkoholfreies Birell – in Tschechien gilt unverändert und nicht zu Unrecht die 0,0-Promille-Grenze.

Dazu ein leckeres Steak vom Hochlandrind und einen – wir machen große Augen, als wir den Namen in der Speisekarte lesen – Pipi-Burger. Warum auch immer der so heißt – wahrscheinlich ist das im Tschechischen ein völlig unverfänglicher Name.

das helle Bejček 11°

Das Honigbier Meďák erweist sich als schön süffiges und sehr rundes, vollmundiges bernsteinfarbenes Bier. Das Honigaroma ist deutlich spürbar, ohne aufdringlich zu wirken, die Restsüße ebenfalls deutlich, aber nicht etwa klebrig, sondern sehr ausgewogen. Honigbiere sind sonst nicht so mein Fall, aber dieses hier schmeckt gut. Und es passt gut zum Steak. Die ebenfalls leicht süßliche Soße mit den roten Pfefferbeeren, der Rucola-Salat mit süßsaurem Balsamico und das Honigbier – alles passt gut.

Der Pipi-Burger erweist sich als Monstrum. Eine riesige Scheibe panierte Hühnerbrust, Berge von Salat, Gurken, Tomaten, viel Mayonnaise und ein Berg dicker Pommes Frites (Stekové Hranolki), pfiffig mit viel Kräutern gewürzt – sehr schön. Dazu passt dann auch das helle Bejček sehr gut. Ein Hauch von Diacetyl, aber wirklich nur ein Hauch, ungewöhnlich wenig für tschechische Verhältnisse, eine zurückhaltende Hopfung, ebenfalls ein schönes, süffiges Bier.

Das Sudwerk, auf dem diese Biere entstehen, befindet sich in einem Seitenraum, der nicht nur durch das Schaufenster von außen einzusehen ist, sondern auch durch eine Panorama-Scheibe, die sich im Nebenraum, in dem geschlossene Gesellschaften sitzen können, befindet. Zwei Geräte direkt vor dem Fenster, eines daneben, und über den Innenraum verteilt einige Gär- und Lagertanks. Die Brauerei verweist stolz darauf, dass die Biere nach der Premiere 2013 sehr erfolgreich verkauft werden konnten und mittlerweile nicht nur auf dem Hof selber, sondern auch in der Gastronomie der Region bis hin nach Brno erhältlich sind. Die Nachfrage sei sogar so hoch, dass man Mitte 2016 zwei zusätzliche Gärtanks gekauft habe.

das Sudwerk der Vesnický Pivovar Ohrada

Wir erstehen noch von jeder Sorte eine große Flasche (in der PET-Flasche ist das Halbdunkle noch vorrätig, nur vom Fass gab es nichts mehr) und machen uns wieder auf den Weg. Einladend und warm steht das große Holzhaus in der Dunkelheit, verschwindet langsam im Rückspiegel. Lecker war’s. Gutes Essen und sehr solide, wenn auch nicht wirklich innovative Biere.

Das Restaurant im Agrocentrum Ohrada ist donnerstags bis sonntags von 11:30 bis 20:00 Uhr geöffnet; die Biere der im Raum nebenan gelegenen Vesnický Pivovar Ohrada werden hier ausgeschenkt. Zu erreichen ist das winzige Dörfchen sinnvoll eigentlich nur mit dem Auto; Parkplätze gibt es auf dem Hof ausreichend. Die Anreise mit dem Linienbus ist zwar theoretisch möglich, aber beliebig zeitaufwändig.

Bilder

Vesnický Pivovar Ohrada
Vísky 100
679 33 Vísky u Letovic
Tschechien

Pivovar Malenovice – Zlínský ŠvecZlín-MalenoviceCZE

Zlínský Švec – der Zliner Schuster. Ein merkwürdiger Name für eine kleine Brauerei, oder?

Aber nur auf den ersten Blick. Denn Zlín hat eine große Tradition der Schuhfertigung. Hier, in diesem kleinen mährischen Städtchen, wurde Ende des neunzehnten Jahrhunderts die Schuhfabrik Bata gegründet, die sich rasch zu einem der größten Schuhkonzerne der Welt entwickelt hat. Und mit Bezug auf diese Tradition der Schuster bekam die kleine Brauerei im Vorort Malenovice ihren Namen.

Die Tradition der Brauerei ist allerdings viel, viel kürzer. Vor gerade einmal zehn Jahren begann Martin Velísek in Sazovice, etwa 20 km von Zlín entfernt, mit dem Hausbrauen, experimentierte ein wenig mit Malzextrakten und begann Anfang 2008 mit dem Maischebrauen. Und wie bei vielen anderen Hausbrauern auch liest man bei ihm: „Der erste Sud hatte mit dem, was wir unter Bier verstehen, nur wenig gemein, aber dennoch war er so rasch ausgetrunken, dass das Bier gar keine Zeit gehabt hatte, zu reifen.“ Velísek investierte ein wenig mehr in seine Ausrüstung und beantragte 2009 die Genehmigung, sein Bier auch verkaufen zu dürfen.

Und dann ging es relativ rasch voran. Aus dem winzigen Brautopf wurde eine 100-l-Anlage, sie wanderte aus dem Keller in den ersten Stock des Hauses. Ab 2010 durfte das Bier offiziell verkauft werden, und zwei Jahre später ergab sich die Gelegenheit, das alte Gebäude der ehemaligen Brauerei unterhalb der Burg Šternberk zu übernehmen und das Bier fortan hier zu produzieren. Nach mehr als 70 Jahren wurde so der alten Brauerei wieder Leben eingehaucht, und seitdem firmiert die Brauerei unter dem Doppelnamen Pivovar Malenovice – Zlínský Švec.

Draußen ist es bitterkalt, -17° C, als wir vor dem Brauereigebäude stehen. Nur schnell ein Foto vom Eingangsbereich, und dann zieht es uns in den Keller des Gebäudes, in die Hospůdka v Pivovárku, in die Wirtschaft der Brauerei. Kuschelig warm ist es. Dicht an dicht stehen einfache Holztische unter den alten Ziegelgewölben. Linker Hand eine kleine Theke mit einem halben Dutzend Zapfhähnen, und in allen Nischen sitzen zahlreiche Wanderer, die das eisige, aber sonnige Wetter für einen ausgiebigen Spaziergang genutzt haben.

Die Einrichtung ist simpel. Die schönen alten Ziegelbögen sind zum Teil schlicht verputzt, zum Teil mit Kunststoffplatten verkleidet; nur an wenigen Stellen schauen die Originalziegel in ihrer zeitlosen Schönheit hervor. Man merkt, hier waren Zeit und Geld knapp, als die Hospůdka eingerichtet und eröffnet wurde. Trotzdem ist es irgendwie gemütlich. Man merkt das Bemühen der Gastgeber, trotz allem etwas Atmosphäre zu schaffen: Bilder aus der Geschichte der Brauerei hängen an den Wänden, alte Gläser und Krüge stehen in kleinen Wandregalen, und die beiden Kellnerinnen wuseln fleißig und sehr freundlich zwischen den Tischen herum.

Sechs Biere stehen zur Auswahl – drei Helle mit 10°, 11° und 12° Stammwürze, ein Halbdunkles mit 11°, ein besonders gehopftes Lager mit Citra-Hopfen und 13° und ein Bernsteinbier mit 15°. Natürlich bin ich neugierig und bestelle mir als erstes das Citra.

Ein Hauch von Diacetyl umweht das Glas, erst dahinter spürt man die fruchtig-zitronigen Noten des Citra. Offensichtlich ist mit dem Hopfen nicht gestopft, sondern er ist gegen Ende der Kochzeit hinzugegeben worden – jedenfalls ist das Aroma nur sehr dezent. Ich bin ein wenig enttäuscht. Zwar ist es ein gutes und süffiges Bier, aber vom Citra-Hopfen hätte ich mir mehr Präsenz erwartet.

Das zweite Bier, das Jantarový (Bernstein), präsentiert sich besser. Rund und vollmundig, ein wenig karamellig. Für seine 15° Stammwürze gefährlich süffig. Ein Bier, bei dem ich hängen bleiben könnte.

Leider lassen es Zeit und weitere Tagesplanung nicht zu, die anderen Biere auch zu probieren, aber es ist kein Problem, von jeder Sorte eine 1- oder 1,5-l-PET-Flasche mitzunehmen. Der Rucksack ist blitzschnell gefüllt.

Neben Bier gibt es in der Brauereiwirtschaft, der Hospůdka v Pivovárku, nur ein paar Kleinigkeiten zum Essen. Wurst- und Käseplatten, sauer oder in Öl eingelegte Würste oder Käse – die typischen Biersnacks für diese Region halt. Lecker, kalorienreich und preiswert. Und wer wirklich etwas Warmes möchte, kann eine Pizza bestellen, bei der uns aber nicht ganz klar ist, ob sie vom Pizzaservice geliefert oder in der Mikrowelle aufgetaut wird. Jedenfalls wird sie nicht hier gebacken, so viel steht fest.

Als wir aufbrechen, frage ich die eine der Kellnerinnen noch, wo denn genau sich die Braukessel befänden, und sie deutet fröhlich auf die weiße Kunststoffwand, die die Hospůdka vom Rest des vermutlich riesig großen Kellers trennt. „Dahinter!“

„Und? Kann ich einen Blick darauf werfen?“

Sie schüttelt bedauernd den Kopf. Der Bereich sei nicht zugänglich, sagt sie, und mit routiniertem Mitgefühl zuckt sie mit den Achseln. Ich bin wohl nicht der erste, der fragt und eine Abfuhr bekommt. Schade.

Die Pivovar Malenovice – Zlínský Švec befindet sich im Ortskern von Malenovice, etwa fünf Kilometer vor Zlín. Zu erreichen ist sie mit dem O-Bus von Zlín, von der Haltestelle sind es fünf Minuten zu Fuß. Die Hospůdka v Pivovárku im Keller ist täglich ab 15:00 Uhr durchgehend geöffnet, freitags schon ab 12:00 Uhr, sonnabends und sonntags ab 13:00 Uhr; kein Ruhetag.

Bilder

Pivovar Malenovice – Zlínský Švec
Švermova 101
763 02 Zlín-Malenovice
Tschechien