Velkorybnický HastrmanVelký RybníkCZE

Irgendwo am Ende der Welt. Ein winziger Weiler namens Velký Rybník. Gefühlt vielleicht 200 Einwohner? Am Rande des Orts ein großer Teich, der heute, am 21. Januar 2017, natürlich zugefroren ist. Schon seit Wochen liegen die Temperaturen nachts unter -10°, die ganze Welt scheint eingefroren, alles geht nur noch in Zeitlupe.

Und mitten im Dörfchen ein hellgelb gestrichenes Haus, ein heller Farbtupfer im winterlichen Grau: Domácí Pivovárek – Velkorybnický Hastrman – U Hastrmana steht an die Fassade geschrieben. Die Kleine Hausbrauerei Zum Wassermann.

die Gaststube

Auf den ersten Blick ein einfaches Wohnhaus mit einem großen Wintergarten. Auf den zweiten Blick, und nachdem wir eingetreten sind, auch. Wintergarten und Erdgeschoss des Hauses sind in Eigenarbeit in ein kleines, gemütliches Restaurant umgebaut worden. Kein Innenarchitekt, auch keine Firma, die teure Materialien verwendet haben, sondern einfaches, helles Holz und Deko-Artikel, die sich über die Jahre angesammelt haben. In der Ecke ein Kamin, in dem zwei gewaltige Holzscheite lichterloh brennen und den ganzen Raum mit kuscheliger Wärme füllen.

Wir suchen uns ein Plätzchen nicht zu weit weg vom Kamin, möchten nach langem Spaziergang in der eisigen Luft langsam wieder auftauen. Überall an den Wänden hängen einfache Bilderrahmen mit Bieretiketten – eine tolle Sammlung. Erst nach einem kurzen Moment fällt uns auf, dass es keine Sammlung von Etiketten aus der ganzen Welt ist, auch wenn sie so bunt und abwechslungsreich ist. Nein, es sind samt und sonders Etiketten der hier gebrauten Biere.

Mit viel Liebe scheint der Brauer zu jedem Sud, den er ansetzt, ein neues Etikett zu kreieren, jedem Bier einen neuen Namen zu geben, jedes Mal ein neues Rezept auszuprobieren. Wir sind gespannt, welche Sorten es derzeit gibt, und nehmen die Getränkekarte zur Hand. Unsere Augen werden groß und rund. Mindestens sieben oder acht verschiedene Biere gibt es hier, und zwar nicht nur Helles mit unterschiedlicher Stammwürze von 10° bis 13°, wie man es hier in Tschechien so oft antrifft, sondern wirklich verschiedene Biere. Helles, Dunkles, Weizen, Halbdunkles, Winterbier, Kellerbier, India Pale Ale… Gerne auch als Radler mit Agaven-Limonade.

Nicht nur, dass jedes Bier sein eigenes Etikett hat, nein, zu jedem Bier gibt es auch eine eigene DIN-A-4-Seite in der Getränkekarte. Schön laminiert, mit detaillierten Beschreibungen, netten Grafiken, und es ist es Freude, in dem kleinen Ringordner Seite um Seite umzublättern und neugierig das Angebot zu erkunden.

Brauerei Zum Wassermann

Wir hören ein dezentes Räuspern. Die Wirtin steht neben uns. Ganz alleine bewirtschaftet sie das kleine Restaurant heute Nachmittag, und sie hat keine Zeit, ewig neben uns zu stehen und zu warten, bis wir die ganze Karte von vorne bis hinten und wieder zurück studiert haben. Also, ein schneller Entschluss: Ich nehme das Winterbier. Und für meine holde Ehefrau, die heute einmal wieder am Steuer sitzen muss, einen Früchtetee.

Das Winterbier, oder Zimní Speciál, wie es richtig heißt, entpuppt sich als kräftiges Märzen. 5,5 % Alkohol, leicht bräunliche Farbe, aromatisch-malzig, mit leichten Melanoidin-Noten. Durchaus lecker.

Im Internet suchen wir ein wenig mehr Informationen über die kleine Brauerei, quälen uns aber durch die einzeln hereintropfenden Bits und Bytes. Eigentlich gibt es fast überall in Tschechien ein gutes LTE-Netz, aber hier, in Velký Rybník, am Ende der Welt, starre ich nur auf einen einzigen, winzigen GSM-Balken. Aber immerhin, ein paar Daten bekommen ich zusammen:

Seit 2005 braut Luboš Vorel hier auf einer winzigen Anlage. Zunächst als Hausbrauer, und nachdem sein Bier den Nachbarn und der Familie gut geschmeckt hat, arbeitete er sich durch die Mühlen der Bürokratie, um nun seit September 2006 seine Sude unter der Marke Velkorybnický Hastrman zu verkaufen. Und ein Hastrman, ein Wassermann, ziert auch alle Etiketten. Die Karikatur zeigt ein kleines Männchen mit Glubschaugen, algenartigen Haaren, einer Wasserschnecke im Haar, grün angezogen und rittlings, aber rückwärts auf einem Wels sitzend.

Neben den üblichen Standard-Bieren gab es in den vergangenen zehn Jahren Biere mit allen möglichen und unmöglichen Zutaten und nach immer neuen Rezepturen. Offensichtlich geht es Luboš Vorel aber nicht nur um das Experimentieren um des Experimentierens willen, denn die Produkte sind samt und sonders gut trinkbar, wovon eine Reihe Urkunden und Auszeichnungen an den Wänden des kleinen Restaurants zeugen.

IPA Šifra Enigma

Wenigstens ein zweites Bier möchte ich noch probieren, bevor es wieder weitergehen muss, und ich entscheide mich für ein India Pale Ale, das IPA Šifra Enigma, gebraut mit australischem Hopfen. Schöne Zitrusaromen betören die Nase, auf der Zunge spürt man eher harzige Noten, wenn auch die Zitrusfrüchte nicht völlig verschwinden, und im Abgang kommt dann eine knackige, sehr saubere Bittere zum Vorschein. Ein richtig gutes Bier!

Gerade als wir zahlen wollen, fällt – zum Glück noch rechtzeitig! – mein Blick auf den kleinen Kühlschrank neben der Theke: Alle Sorten gibt es auch in 1-Liter-PET-Flaschen zum Mitnehmen. Im Nu ist der Rucksack prall gefüllt, schwer stapfe ich durch den tiefen Schnee zurück zum Auto.

In kurzer Blick noch einmal auf das hellgelbe Häuschen. Urig und nett. Schade nur, dass ich das Sudwerk nicht habe sehen können – mit ehrlichem Bedauern erklärte mir die Wirtin, dass sie keine Erlaubnis habe, Besucher in die Brauerei zu lassen. Das hätten wir vorher mit dem Brauer direkt ausmachen müssen…

Die Domácí Pivovárek Velký Rybník ist täglich ab 14:00 Uhr bis zum recht frühen Abend (20:00 Uhr) geöffnet; sonnabends und sonntags schon ab 12:00 Uhr. Kein Ruhetag. Zu erreichen ist sie am besten mit dem Auto; man kann direkt vor der Tür parken. Es gibt zwar auch eine Buslinie (Karlsbad – Abertham), die hier entlangführt, aber „allzu oft fahren die Busse leider nicht“, sagt Luboš Vorel auf seiner Homepage.

Bilder

Velkorybnický Hastrman
Domácí Pivovárek Velký Rybník
Velký Rybník 9
363 01 Ostrov
Tschechien

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Pivovar Karel IV.Karlovy VaryCZE

Becherovka – der berühmte Kräuterschnaps aus Karlsbad. Wo immer man in der Stadt einkehrt, die erste Frage lautet stets: „Möchten Sie sich ein wenig aufwärmen? Ein Becherovka gefällig?“ Und auch wenn die Schnapsproduktion nach dem alten Rezept des Apothekers Jan Becher mittlerweile unter dem Dach des Pernod-Ricard-Konzerns erfolgt, sind die Karlsbader nach wie vor stolz auf IHREN Becherovka.

So stolz, dass am unteren Ende der Fußgängerzone, dort, wo der Schnaps früher hergestellt worden ist und wo sich nun immerhin noch die Verwaltung der Firma befindet, mit dem Becherplatz ein touristisches Zentrum rund um den Becherovka entstanden ist: Ein überdachter Marktplatz mit kleinen, etwas kitschig auf alt getrimmten Souvenirlädchen, Cafes, Probierstuben und …

… einer Brauerei im Keller!

Pivovar Karel IV.

Der Zugang zur Pivovar Karel IV. ist ganz unauffällig. Eine unscheinbare Holztreppe führt vom Haupteingang des Becherplatzes in die Tiefe, aber kaum sind wir die Stufen hinuntergelaufen, finden wir uns in einem Labyrinth schier endloser Gänge wieder. Links und rechts finden sich kleine Nischen mit Tischen, an denen man in kleinen Gruppen ungestört sitzen und genießen kann. Teilweise sind die Nischen etwas größer, finden sich auch richtige Nebenräume, und aus einigen hat man durch eine Glaswand auch direkten Blick auf die Gär- und Lagertanks der Brauerei.

Wir laufen einen der Gänge bis zum Ende, kehren um, laufen zurück und stehen dann in der großen, zentralen Gaststube. Weit geschwungene Gewölbe aus dicken Sandsteinblöcken, verhältnismäßig niedrig, aber durch die Weite nicht bedrückend. Und mittendrin die kleine kupferne Brauerei. Ein holzverkleidetes Mäuerchen und ein kunstfertig geschmiedetes Gitter verwehren den Zutritt, gewähren aber einen schönen Blick auf die beiden polierten Kessel. Davor ein paar Schälchen mit verschiedenen Malzsorten als Dekoration und eine Anrichte mit Geschirr, Besteck und Gewürzen.

Gaststube und Sudwerk

Stimmengewirr erfüllt den Schankraum, es ist verhältnismäßig viel Betrieb. Unter einem der Gewölbebögen finden wir ein gemütliches Plätzchen, bewacht von freundlichen jungen Damen mit großen Biergläsern in der Hand, die als Wandmalerei auf uns herabschauen.

Schon kommt der Kellner herangewuselt, und auf meine auf Tschechisch gestotterte Frage, was für Biere es denn gebe, rattert er in fließendem Deutsch die fünf Sorten herunter: Elfgrädiges Helles, zwölfgrädiges Halbdunkles, zwölfgrädiges Weizen, dreizehngrädiges Dunkles und fünfzehngrädiges Spezial. Und dann gebe es noch Kräuter- und Früchtebier.

Ich beginne mit dem Halbdunklem, dem Polotmavý 12°. Malzig, rund, süffig. Ein bisschen Restsüße, nur dezent gehopft, sehr mild. Während ich Schluck für Schluck genieße, blättern wir in der dicken Speisekarte. Viele internationale Gerichte, viel typisch tschechische Brauhauskost. Die Auswahl ist gewaltig, die Portionen, wie wir an den Nachbartischen sehen, ebenfalls.

Und auch die Preise. Man merkt, dass Karlsbad vom Tourismus verdorben ist. Die Preise sind gut doppelt so hoch wie auf dem Land und erreichen ganz normales deutsches Niveau.

Zum großen Lammspieß mit grünen Bohnen, Bratkartoffeln und Speck, einem typisch tschechischen Diätteller also, trinke ich zunächst das Světlý 11°, ein frisches und leichtes, mit einem dezenten Hauch Diacetyl grüßendes Pilsener. Spürbar hopfig harmoniert es hervorragend mit dem kräftig-würzigen Lammfleisch. Ebenso wie das nächste Glas, das Pšenične 12°, das für ein Weizen hervorragend daherkommt. Leichte Gewürznelken-Aromen, spritzig, erfrischend.

gemütliche Nischen unter dicken Gewölben

Statt eines Desserts bestelle ich mir das Tmavý 13°, ein süßliches Dunkelbier. Der klassische, tschechische Stil, ähnlich wie man es auch in Prag im U Fleků bekommt. Enorm süffig, ganz leichte Röstaromen nur, schwach gehopft und malzig-süß. So ganz anders als die herben und schlanken deutschen Schwarzbiere.

Vier leckere Biere hintereinander, ohne jede Enttäuschung. Viel Glück gehört dazu, eine solche Serie serviert zu bekommen, und fast traue ich mich nicht, auch noch das Speciál 15° zu bestellen, aus Angst, die Serie könnte zu Ende sein.

Und in der Tat: Sie ist zu Ende. Aber im positiven Sinne! Das Speciál 15° entpuppt sich als fruchtiges, aromatisches Ale im belgischen Stil. Nicht übermäßig gehopft, rund und malzig, und obendrüber ein komplexer Strauß unterschiedlichster fruchtiger und estriger Aromen. Für ein belgisches Dubbel vielleicht nicht herb genug, für ein Golden Ale zu dunkel. Irgendwo dazwischen findet sich dieses Bier wieder und stellt den hervorragenden Abschluss meiner Verkostung dar. Chapeau! Der Braumeister hier, der Sládek, kann was und weiß, was er tut.

Um ehrlich zu sein: Diese Bierqualität hätte ich in einer so durchkommerzialisierten Gasthausbrauerei nicht erwartet. Prima! Und so kommt es, wie es kommen muss: Oben im Souvenirshop erstehen wir noch eine große Anderthalbliterflasche des leckeren belgischen Ales, des Speciál 15°.

Die 2012 eröfnete Pivovar Karel IV. ist täglich ab 11:00 Uhr durchgängig geöffnet; kein Ruhetag. Parken kann man gebührenpflichtig bis maximal drei Stunden Dauer direkt vor der Tür; es empfiehlt sich aber, mit Bus oder Bahn zu kommen. Bahnhof und Busbahnhof sind nur etwa 150 m entfernt.

Bilder

Pivovar Karel IV.
T. G. Masaryka 282/57
360 01 Karlovy Vary
Tschechien

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Štiřínský PivovarŠtiřínCZE

„Ach ja, Velké Popovice, Groß Popowitz, kennt man ja… Bier, das man unter dem Namen Kozel auch in allen gut sortierten Getränkemärkten in Deutschland bekommt.“ Gedanklich winke ich ab und will die interaktive Landkarte schon schließen, als mein Blick auf einen kleinen Pin nur Millimeter links davon fällt.

Ich zoome heran: Štiřínský Pivovar. Sagt mir gar nichts. Štiřín ist ein winziges Dörfchen, und ein altes Schloss soll es da geben. Aber eine Brauerei? Das ist mir neu. Und so ist es denn selbstverständlich, dass ich am 20. Januar 2017 einen kleinen Abstecher von der Autobahn mache und hier vorbeischaue.

Restaurant und Brauerei
Eingang

Es ist bitterkalt, und der Schnee knirscht unter den Reifen, als wir auf den kleinen Parkplatz fahren. Štiřínská Stodola, die Stiriner Scheune, steht groß an der Stirnwand des Gebäudes, und darunter „Restaurace, Pivovar, Hotel, Gril“. Alles Wörter, die auch ohne Tschechisch-Kenntnisse verständlich sind. Nix wie hinein, also.

Uns empfängt ein bunt und recht künstlerisch geschmückter Gastraum. Bilder mit moderner Kunst, teils recht abstrakt, hängen an den Wänden, die Farben sind fröhlich ohne zu grell zu wirken, und ein Kunstschmied hat viele Stunden Arbeit in die Dekoration des Raums gesteckt. Nett schaut’s aus.

Rechter Hand die Theke, liebevoll, aber fast ein wenig überladen mit leeren 5-l-Partyfässchen dekoriert, und gegenüber das Sudwerk. Ich bin überrascht: Winzig klein sind die beiden kupfernen Geräte, eng beieinander stehen sie, in eine Art Theke integriert. Dahinter nur wenig Platz für den Brauer – übergewichtig darf er wohl nicht sein, wenn er sich dort bewegen können möchte. Vor, neben und zwischen den beiden Kesseln eine Menge Deko, und auf einem Bord dahinter eine Sammlung von leeren Bierflaschen. Urig schaut’s aus.

die Gaststube

Wir suchen uns einen Tisch direkt an der Heizung – draußen hat es -11° C, wir wollen es kuschelig warm haben. Die junge Kellnerin kommt an den Tisch und legt uns ohne viel Worte die einfache Speisekarte hin. Ein paar preiswerte Hauptgerichte, und vier Sorten Bier. Etwas Deftiges zu Essen ist schnell ausgewählt, und dazu hätte ich gerne das etwas kräftigere Vierzehner Bier, ein, so der Name auf der Karte, Sankt-Martins-Bier.

Nun, Sankt Martin ist schon eine Weile her, und richtig: Die Bedienung zuckt bedauernd die Schultern. Ausgerechnet dieses Bier gebe es nicht mehr. Nun denn, dann halt das nächstschwächere, das Dreizehner. Ale Fantasia nennt es sich, und ich bin gespannt, was sich dahinter verbirgt.

Sehr hell und fast klar kommt es auf den Tisch, nur ganz leicht opak. Sieht lecker aus, riecht auch appetitlich. Leichte Esternoten, glaube ich zu spüren. Im Mund dann aber eher enttäuschend. Ein kartonartiger Geschmack breitet sich aus, so, als sei das Bier kräftig oxidiert. Ich bin ein wenig enttäuscht. Trinkbar ist es, aber kein großer Genuss.

das Sudwerk

Die Gnocchi mit Spinat und gebratener Hühnerbrust machen da schon ein wenig mehr Freude – eine sehr ordentliche und leckere Portion, die mir für wenig mehr als drei Euro serviert wird. Dazu trinke ich jetzt das einfache helle Lager, das Světlý Ležák 12°. Ein simples Trinkbier, unauffällig und ohne Geschmacksfehler. Nichts Besonderes, aber in Ordnung.

Gewissermaßen als Dessert dann noch das Dunkle, das Tmavý Speciál 13°. Hier bin ich wieder eher enttäuscht. Wässrig-süßlich, mit einem merkwürdigen Beigeschmack, und für ein Dreizehner viel zu dünn wirkend. Kann man trinken, muss man aber nicht. Würde ich mir definitiv kein zweites Mal bestellen.

Tja, insgesamt sind wir also ein bisschen unzufrieden. Es ist ganz nett, wenn man hier vorbeikommt und Hunger hat – das Essen ist solide und sehr preiswert. Auch die Atmosphäre ist angenehm, und die Lage ist wunderschön – im Frühjahr ist es hier bestimmt paradiesisch. Aber die Biere sind weniger als nur Durchschnittsware, leider. Keines dabei, wo wir uns gewünscht hätten, noch eine Flasche für den gemütlichen Genuss daheim mitzunehmen.

Der 2010 gegündete Štiřínská Stodola mit seiner Štiřínský Pivovar ist täglich ab 11:00 Uhr durchgehend geöffnet; kein Ruhetag. Neben dem selbstgebrauten Bier wird einfache, aber leckere Küche geboten. Ab und an finden Weinverkostungen statt, und eigene Appartements zum Übernachten werden ebenfalls angeboten. Zu erreichen ist die Brauerei in sieben, acht Minuten von der Autobahn, Parkplätze gibt es direkt vor der Tür, oder man nimmt die Buslinie 461.

Bilder

Štiřínský Pivovar
Želivecká 707
251 68 Štiřín
Tschechien

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Šumický Pivovar VildenbergViničné ŠumiceCZE

Viničné Šumice, ein kleines Dörfchen, nur wenige Kilometer von der Autobahn und von der zweitgrößten tschechischen Stadt Brno entfernt, und doch so einsam gelegen.

Malzsäcke im Eingangsbereich des Restaurants

Wir biegen von der Autobahn ab, fahren noch ein paar hundert Meter auf der Bundesstraße, und als wir diese verlassen, breiten sich hinter einem Hügel nur noch Felder und Wälder aus. Im Grau des späten Winternachmittags ist kein Licht mehr zu sehen, keine Häuser, nichts. Erst hinter der nächsten Hügelkette taucht Viničné Šumice auf, malerisch an die Flanke der letzten Ausläufer des mährischen Karsts gebaut.

Vorsichtig schlittern wir die Kehren in der Ortsmitte hoch. Hier ist irgendwann mal geräumt und gestreut worden, aber das war vor dem letzten Schneefall, nicht danach. Und schließlich stehen wir vor dem schmucklosen, kastenförmigen Gebäude der Šumický Pivovar Vildenberg.

Der Name stammt aus dem Mittelalter. In der Nähe der heutigen Brauerei befand sich die Burg Vildenberg, eine der größten Burgen in Mähren, benannt nach ihrem Gründer Půta z Vildenberka. Aber ihr war keine lange Existenz beschieden. Markgraf Jošt Lucemburský übernahm die Burg, verkaufte sie jedoch rasch, und sie wurde geschleift und ihre Steine genutzt, eine Kirche und mehrere Befestigungen in den nahegelegenen Weilern Pozořice und Kovalovice zu bauen.

Polotmavý Ležák
Speciál 14°

Viele hundert Jahre später, 2013, begannen in Viničné Šumice die Arbeiten, eine neue Brauerei zu errichten, und als sie im Sommer 2014 ihre Produktion begann, wurden die Anwohner gefragt, welchen Namen sie tragen solle. Sie entschieden sich für den historischen Bezug zur Burg, und somit heißt die junge Gasthausbrauerei nun also Šumický Pivovar Vildenberg.

Genug doziert. Jetzt gehen wir hinein!

Uns empfängt ein großer, schlichter, aber nicht ungemütlicher Schankraum. Die Wände sind mit Emailletafeln von Brauereien und Biermarken dekoriert; an der Stirnwand hängt eine Leinwand, auf der bei Bedarf Fußball- und Eishockeyspiele übertragen werden können. Rechter Hand eine winzige Theke mit drei Zapfhähnen, wo das im Keller gebraute Bier ausgeschenkt wird. Draußen ist es zwar bitterkalt, aber die Heizkörper in der Gaststube glühen, und es ist kuschelig warm.

Zwei helle Biere habe sie, erklärt uns die freundliche Kellnerin. Ein Zehner und ein Zwölfer. Das seien die Standardbiere, die es immer gibt. Und daneben gebe es ein Sonderbier, das wäre zurzeit ein Halbdunkles mit 14°. Wir bestellen zunächst das Zehner, also das Výčepní Světlé Pivo 10°, wie es offiziell heißt. Dazu einen Nakladaný Hermelín, einen in Öl und Kräutern eingelegten Käse.

Das Bier riecht ganz dezent nach Diacetyl, ein Hauch nur, und hat für seine geringe Stammwürze einen überraschend kräftig malzigen Geschmack. Passt gut zum würzigen und fast schon streng aromatischen Käse.

Světlý Ležák 12°

Das zweite Bier, das Zwölfer, beziehungsweise das Světlý Ležák 12°, kommt, wie schon das erste Bier, mit einer festen und stabilen Schaumkrone daher. Im Duft kein Diacetyl, stattdessen eine ganz, ganz leicht metallische Note. Ein erster, großer Schluck und eine nicht minder große Überraschung. Glatt und sauber, sehr klar schmeckt es, fast schon ein wenig wässrig. Hätten wir es nicht ausdrücklich andersherum bestellt, würden wir denken, dieses sei das Leichtere der beiden hellen Biere. Ein gutes Bier zum Durstlöschen im Sommer, aber kein so idealer Begleiter zum würzigen Käse.

Der Käse ist alle, und anstelle eines Desserts bestellen wir uns das Sonderbier, das Polotmavý Ležák Speciál 14°. Ein karamelliger, ein bisschen in Richtung Honig changierender Duft, ein voller, runder und etwas malzsüßlicher Schluck. Kräftig und süffig, dieses Bier, und es ersetzt locker den Nachtisch.

Einen Moment bleiben wir noch sitzen, genießen die wohlige Wärme in der Gaststube und beobachten die anderen Gäste. Eine Dame sitzt ganz allein an einem Tisch am Eingang, ihren kleinen Wanderrucksack neben sich an die Wand gelehnt. Sie ist mittlerweile beim dritten großen Speciál – die Wanderung muss lang gewesen sein. So typisch für Tschechien: Während im Rest der Welt das weibliche Geschlecht langsam und aus kleinen Gläschen trinkt, ist es hier das Normalste der Welt, dass auch die Damen große Humpen vor sich stehen haben und sich nicht nur auf einen davon beschränken. Alltag, das heißt Bier, und Bier ist Alltag. Es gehört einfach immer dazu.

Ab und an kommen Menschen aus der Nachbarschaft, holen sich eine oder zwei PET-Flaschen mit anderthalb Litern Bier für zuhause, packen sie zu ihren Einkäufen aus dem nahegelegenen Supermarkt in die Tasche und gehen weiter.

aus der Homepage der Brauerei

Wir fragen die freundliche Kellnerin, wo denn nun die Brauerei genau stehen würde, und ob man sie vielleicht auch anschauen könne. „Genau unter Euch“, lacht sie und zeigt mit dem Finger auf den Boden. Aber eine Besichtigung ginge nur im Rahmen einer angemeldeten Führung, da müsse sie uns leider enttäuschen, heißt es weiter. Schade.

Uns bleibt nichts Anderes übrig, als ohne Blick auf die Sudkessel aufzubrechen. Wir fragen nach der Rechnung und machen große Augen: Drei Biere, Kaffee, Tee, Käse, Brot, Kartoffelpuffer, alles zusammen für gerade einmal 200,- CZK, weniger als acht Euro. Hier auf dem Dorf, da ist die Welt noch in Ordnung!

Das Burgrestaurant, Hradská Restaurace, der Šumický Pivovar Vildenberg ist täglich ab 16:00 Uhr geöffnet, kein Ruhetag. Es gibt neben den eigenen Bieren kleine Snacks wie Käse, Würstchen oder Kartoffelpuffer, dazu eine kleine Auswahl an Pizzen. Die Brauerei selber befindet sich im Keller des Gebäudes, ist jedoch nur nach Anmeldung zu besichtigen. Zu erreichen sind Restaurant und Brauerei bequem mit dem Auto, fünf Minuten von der Autobahn D1 entfernt, Parkmöglichkeiten unterhalb des Restaurants entlang der Straße. Oder man kommt mit dem regelmäßig etwa einmal pro Stunde verkehrenden Bus, der in der Ortsmitte hält, dreihundert Meter entfernt.

Bilder

Šumický Pivovar Vildenberg
Viničné Šumice 389
664 06 Viničné Šumice
Tschechien

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Vesnický Pivovar OhradaVísky u LetovicCZE

„Ferien auf dem Bauernhof?“ – „Klingt ja ganz romantisch, aber…“

„Und wenn der Hof eine eigene Brauerei besäße?“ – „Ich bin schon dabei, die Koffer zu packen!“

Nun, der Dialog ist zwar nicht ganz so abgelaufen, hätte aber können…

Im winzigen Dörfchen Vísky irgendwo weit draußen in Mähren befindet sich das Agrocentrum Ohrada („Koppel“), ein Bauernhof mit Pferden für den Ausritt, einem Spa, einer eigenen Gastronomie und seit einiger Zeit auch mit einer eigenen Brauerei. 2004 wurde das Zentrum eröffnet, das Spa kam 2006 hinzu. Man züchtet schottische Highland-Rinder, deren Steaks natürlich auch im Restaurant auf dem Teller landen, und 2013 wurde in der großen Scheune eine Brauerei eingerichtet.

Blick in das „Schaufenster“

Der Schnee knirscht unter den Autoreifen. Bei sibirischer Kälte von -18° C rollen wir auf den Hof des Agrocentrum Ohrada und stellen den Wagen direkt vor das Schaufenster der Brauerei, der Vesnický Pivovar Ohrada. Für einen kurzen Moment bleiben wir noch im kuschelig warmen Auto sitzen und genießen den Blick direkt auf die silbrig glänzenden Braukessel, aber dann treiben uns Hunger, Durst und Neugier doch in die Kälte hinaus.

Wir stapfen am Gebäude entlang, über die Veranda und betreten die Gaststube. Bullige Hitze. Der Kamin an der Seitenwand scheint zu glühen, hoch lodern die Flammen hinter der Glaswand. Wunderbar. Draußen eisige Kälte, hier drinnen die gemütliche Wärme, dazu der Blick auf den verschneiten Hof, auf den sich langsam die Dämmerung herabsenkt. Schön!

Die Einrichtung ist konsequent in rustikal bearbeitetem Holz gehalten, neben dem Kamin als einziges Zugeständnis an die moderne Plastikwelt eine Spielecke für Kinder mit quietschbuntem Spielzeug.

Der freundliche Kellner legt uns die Speisekarte hin und überbringt uns feierlich die schlechte Nachricht: Es täte ihm fürchterlich leid, aber das halbdunkle Pacholek mit 12° gebe es derzeit nicht, sondern nur die anderen beiden Sorten, das helle Bejček mit 11° und das Honigbier Meďák mit 15°. Er schaut so bedauernd und traurig drein, dass wir lachen müssen, und wir bestellen ein Meďák und… ein alkoholfreies Birell – in Tschechien gilt unverändert und nicht zu Unrecht die 0,0-Promille-Grenze.

Dazu ein leckeres Steak vom Hochlandrind und einen – wir machen große Augen, als wir den Namen in der Speisekarte lesen – Pipi-Burger. Warum auch immer der so heißt – wahrscheinlich ist das im Tschechischen ein völlig unverfänglicher Name.

das helle Bejček 11°

Das Honigbier Meďák erweist sich als schön süffiges und sehr rundes, vollmundiges bernsteinfarbenes Bier. Das Honigaroma ist deutlich spürbar, ohne aufdringlich zu wirken, die Restsüße ebenfalls deutlich, aber nicht etwa klebrig, sondern sehr ausgewogen. Honigbiere sind sonst nicht so mein Fall, aber dieses hier schmeckt gut. Und es passt gut zum Steak. Die ebenfalls leicht süßliche Soße mit den roten Pfefferbeeren, der Rucola-Salat mit süßsaurem Balsamico und das Honigbier – alles passt gut.

Der Pipi-Burger erweist sich als Monstrum. Eine riesige Scheibe panierte Hühnerbrust, Berge von Salat, Gurken, Tomaten, viel Mayonnaise und ein Berg dicker Pommes Frites (Stekové Hranolki), pfiffig mit viel Kräutern gewürzt – sehr schön. Dazu passt dann auch das helle Bejček sehr gut. Ein Hauch von Diacetyl, aber wirklich nur ein Hauch, ungewöhnlich wenig für tschechische Verhältnisse, eine zurückhaltende Hopfung, ebenfalls ein schönes, süffiges Bier.

Das Sudwerk, auf dem diese Biere entstehen, befindet sich in einem Seitenraum, der nicht nur durch das Schaufenster von außen einzusehen ist, sondern auch durch eine Panorama-Scheibe, die sich im Nebenraum, in dem geschlossene Gesellschaften sitzen können, befindet. Zwei Geräte direkt vor dem Fenster, eines daneben, und über den Innenraum verteilt einige Gär- und Lagertanks. Die Brauerei verweist stolz darauf, dass die Biere nach der Premiere 2013 sehr erfolgreich verkauft werden konnten und mittlerweile nicht nur auf dem Hof selber, sondern auch in der Gastronomie der Region bis hin nach Brno erhältlich sind. Die Nachfrage sei sogar so hoch, dass man Mitte 2016 zwei zusätzliche Gärtanks gekauft habe.

das Sudwerk der Vesnický Pivovar Ohrada

Wir erstehen noch von jeder Sorte eine große Flasche (in der PET-Flasche ist das Halbdunkle noch vorrätig, nur vom Fass gab es nichts mehr) und machen uns wieder auf den Weg. Einladend und warm steht das große Holzhaus in der Dunkelheit, verschwindet langsam im Rückspiegel. Lecker war’s. Gutes Essen und sehr solide, wenn auch nicht wirklich innovative Biere.

Das Restaurant im Agrocentrum Ohrada ist donnerstags bis sonntags von 11:30 bis 20:00 Uhr geöffnet; die Biere der im Raum nebenan gelegenen Vesnický Pivovar Ohrada werden hier ausgeschenkt. Zu erreichen ist das winzige Dörfchen sinnvoll eigentlich nur mit dem Auto; Parkplätze gibt es auf dem Hof ausreichend. Die Anreise mit dem Linienbus ist zwar theoretisch möglich, aber beliebig zeitaufwändig.

Bilder

Vesnický Pivovar Ohrada
Vísky 100
679 33 Vísky u Letovic
Tschechien